Der Friesenwall wird zur „Fahrradstraße“

Der Friesenwall wird zur „Fahrradstraße“

Oberbürgermeisterin Reker gibt neue Achse für den Radverkehr frei

Die Stadt Köln hat auf dem Friesenwall in der Kölner Innenstadt eine Fahrradstraße eingerichtet. Die Arbeiten sind weitgehend abgeschlossen, im Laufe des Juni 2019 werden mit der Installation von weiteren Fahrradabstellanlagen noch Restarbeiten vorgenommen.

Die Realisierung des Abschnitts zwischen Magnusstraße und Rudolfplatz stellt den Auftakt für die geplante Fahrradstraßenachse auf den Kölner Wällen dar. Parallel zu den Ringen soll auf den Wällen sukzessive eine komfortable, sichere und schnelle Verbindung für den Radverkehr durch die Innenstadt geschaffen werden.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat den Friesenwall bei einem Pressetermin am heutigen Freitag, 31. Mai 2019, durch die Enthüllung des Verkehrsschildes „Fahrradstraße“ offiziell freigegeben: „Mit der Einrichtung der Fahrradstraße am Friesenwall setzen wir ein weiteres Signal für die Förderung des Radverkehrs in Köln. Die aktuellen Verkehrszahlen zeigen, dass die Mobilitätswende in Köln in vollem Gange ist und die Kölnerinnen und Kölner zunehmend das Rad und den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen oder zu Fuß gehen. Der Radverkehr ist zur tragenden Säule der Kölner Mobilitätswende geworden und liefert damit einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz. Der neue Friesenwall ist zudem ein großer Gewinn für Fußgängerinnen und Fußgänger. Denn auch für sie bietet die Straße nun eine größere Aufenthaltsqualität.“

Im Radverkehrskonzept Innenstadt wurden Standards für Fahrradstraßen definiert. Diese hat die Stadt Köln im Rahmen der Einrichtung der Fahrradstraße Friesenwall konsequent angewendet:

  • Fahrbahnbreite

Durch die Umwandlung von rund 50 Kfz-Stellplätzen wird die Fahrbahn der Fahrradstraße auf vier Meter verbreitert. Radfahrende haben somit die Möglichkeit, in beiden Richtungen komfortabel und sicher nebeneinander zu fahren. Bisher war der Friesenwall eine für Radfahrer geöffnete Einbahnstraße, die lediglich ein Mindestmaß von drei Metern aufwies.

  • Vorfahrt an Kreuzungen

Zur weiteren Erhöhung des Fahrkomforts für Radler wurde der Friesenwall an den Knotenpunkten zur Vorfahrtsstraße umgebaut. Vorfahrtsbeschilderungen und Markierungen wurden entsprechend angepasst. Den Schildern „Fahrradstraße“ ist der Zusatz „Anlieger frei“ hinzugefügt. Damit können Wohnungen und Geschäfte weiterhin mit dem Kfz erreicht werden. Auch an der Einbahnstraßenregelung für Pkw ändert sich nichts.

  • Markierungen

Zur Verdeutlichung der Fahrradstraße wurden entsprechende Fahrradstraßenpiktogramme auf der Fahrbahn markiert. 

Bei allen Verbesserungen für den Radverkehr wurden mit der Umsetzung des Vorhabens auch die Ansprüche und Bedürfnisse von Fußgängerinnen und Fußgängern beachtet und in die Umgestaltung einbezogen. So entsteht durch die Umwandlung von Stellplätzen neben einer breiteren Fahrbahn auch ein so genannter „Multifunktionsstreifen“, der wie folgt ausgestattet wurde:

  • Fahrradparken an 120 neuen Fahrradabstellmöglichkeiten;
  • Sitzbank mit kombinierten Pflanzkübeln;
  • Parkscheinautomaten;
  • Geplant ist, dort auch Außengastronomie zu ermöglichen.

Der Wegfall der Stellplätze wird zum einen durch freie Kapazitäten in umliegenden Parkhäusern kompensiert und zum anderen durch eine Anpassung der Parkregelung. Künftig stehen die öffentlichen Parkplätze entlang der Straße in der Zeit von 18 bis 9 Uhr nur noch Anwohnerinnen und Anwohnern mit einem Bewohnerparkausweis mit der Bezeichnung „Nördlich Neumarkt“ zur Verfügung. Tagsüber in der Zeit von 9 bis 18 Uhr können auf den verbleibenden Parkplätzen, wie schon bisher, alle Verkehrsteilnehmer parken.

Die Ausweisung des Friesenwalls als Fahrradstraße ist eine Maßnahme aus dem Radverkehrskonzept Innenstadt. Einen entsprechenden Beschluss hat die Bezirksvertretung Innenstadt in ihrer Sitzung am 25. Januar 2018 gefasst.

Die Gesamtkosten für die Umwandlung des Friesenwalls in eine Fahrradstraße betragen rund 56.000 Euro. Der Hauptanteil mit etwa 22.000 Euro entfällt auf die fahrradfreundliche Ergänzung der Ampelanlage Friesenwall/Magnusstraße.

In den kommenden Jahren werden viele weitere Straßen in Köln als Fahrradstraßen ausgewiesen. Allein das Radverkehrskonzept Innenstadt sieht die Einrichtung von 83 weiteren Fahrradstraßen vor. Noch in diesem Jahr sollen folgende Fahrradstraßen in der Innenstadt eingerichtet werden: auf der Achse Neumarkt-Eifelplatz die Straßen Fleischmengergasse, Kleiner Griechenmarkt und Weidenbach und im Georgsviertel die Straßen Mathiasstraße, Follerstraße, Georgstraße und Große Witschgasse sowie der Eifelwall.

Das Projekt Friesenwall ist Bestandteil des Forschungsprogramms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt). Ziel des Modellvorhabens ist es, „den öffentlichen Raum zu Gunsten der bewegungsaktiven Verkehrsarten neu zu ordnen und damit neben der allgemeinen Aufenthaltsqualität auch die Verkehrssicherheit zu erhöhen“. Der Friesenwall ist für das Forschungsprogramm besonders geeignet. Es handelt sich um eine für Köln typische Straße in Innenstadtlage, die sich gerade auf den Gehwegen durch eine belebte Nutzung sowie durch vielfältige und unterschiedliche Ansprüche an den öffentlichen Straßenraum auszeichnet. Im Rahmen der Einrichtung der Fahrradstraße galt es, die unterschiedlichen Nutzungsansprüche gegeneinander abzuwägen und den bestehenden Straßenraum exemplarisch und mit einfachen Mitteln fuß- und fahrradgerecht umzugestalten. Die Maßnahme wird im Rahmen von ExWoSt wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

Eine Fahrradstraße ist eine für Radfahrerinnen und Radfahrer vorbehaltene Straße. Sie haben hier Vorrang und dürfen nebeneinander fahren. Andere Fahrzeuge dürfen die Straße nur dann benutzen, wenn es ihnen ein Zusatzschild erlaubt.

Autos und Motorräder müssen sich dem Tempo des Radverkehrs anpassen und besondere Rücksicht nehmen. Als Höchstgeschwindigkeit gilt Tempo 30. Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen weder gefährdet noch behindert werden. Fahrradstraßen werden dort eingerichtet, wo der Radverkehr die dominierende Verkehrsart ist oder die Straße an einer Hauptroute des Radverkehrs liegt.

In den 1990er Jahren wurden in Köln acht Fahrradstraßen eingerichtet, die erste 1993 auf dem Johannesweg in Höhenhaus. Seit 2012 wurden der Weidenweg sowie im Rahmen der Umsetzung des stadtbezirklichen Radverkehrskonzeptes in Lindenthal sieben weitere Straßen als Fahrradstraßen ausgewiesen. Im August 2018 hat die Stadt Köln auf der Zülpicher Straße die erste reine Fahrradstraße ohne Zusatzschilder eingerichtet. Dort müssen sich Radfahrerinnen und Radfahrer in dem entsprechenden Abschnitt die Straße nur noch mit den Stadtbahnen der Linie 9 teilen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text – und Bildquelle: Stadt Köln

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