Kinderwunsch im 21. Jahrhundert: Künstliche Befruchtungen nehmen stark zu

Kinderwunsch im 21. Jahrhundert: Künstliche Befruchtungen nehmen stark zu

Wir erleben wieder einen Baby-Boom. Doch fast jedes 50. Baby entsteht heute schon künstlich, Tendenz steigend. Wie ist der aktuellste Stand zum Thema Reproduktionsmedizin, mit dem Sie, Dr. Puchta, tagtäglich schon über 20 Jahre professionell befasst sind?  

Dr. Jörg Puchta: In der Tat entstehen schon fünf bis zehn Prozent aller

Babys künstlich. Die Hauptgründe dafür sind, dass es immer bessere Schwangerschaftsraten gibt und zudem immer verträglichere und einfachere Therapien.

Welche Fehler wurden denn früher gemacht? 

Der größte war wohl der mit den Mehrlingsschwangerschaften. Damit gingen sowohl die Ärzte in Personalunion mit den Patienten ein sehr hohes Risiko ein, weil sie viel zu viele Embryonen transferierten und zu viele Mehrlinge erzeugten. Das konnte gottlob minimiert werden. In diesem Punkt sind wir vom Kinderwunschzentrum an der Oper in München ganz aktiv und bieten seit Jahren grundsätzlich nur noch den Transfer von einem Embryo an. Wer mehr Kinder auf einmal möchte, muss mit uns sehr hart diskutieren…

Das  Zauberwort Ihrer Branche heißt IVF, die In-vitro-Fertilisation, also die künstliche Befruchtung. Wie hoch ist die IVF-Rate heute schon?  

Das ist altersabhängig und bei Statistiken bin ich immer vorsichtig. Realistisch in einer Klinik mit einem hohen Anteil an jungen Patientinnen, aber älteren und alten Patientinnen sind etwa 50 Prozent. Raten von 60 Prozent sind nur mit extrem jungen Patientinnen unter Zuhilfenahme genetischer Diagnostik zu erreichen. Das gilt weltweit. Russland hat z.B.

sehr hohe Raten, weil dort in bestimmten Zentren extrem viele sehr junge Frauen mit der Methode behandelt werden.

Lebt eigentlich das erste sog. Retorten-Baby von 1978, Louise Joy Brown, noch? 

Ja, die Engländerin kam ja am 25. Juli 1978 kurz vor Mitternacht mit

2600 Gramm fit per Kaiserschnitt zur Welt und erfreut sich heute mit 40

Jahren bester Gesundheit. Dr. Robert Edwards, der Pionier der Reproduktionsmedizin, der Ende der 70er Jahre noch oft verteufelt wurde, erhielt aber leider erst 2010 dafür den Nobelpreis, aber immerhin noch zu seinen Lebzeiten. Was er geleistet hat, war revolutionär! Er verwirklichte einen Menschheitstraum, musste sich aber vieler religiöser und gesellschaftlicher Widerstände erwehren.

Sind die Risiken bei der In-vitro-Fertilisation heute minimiert… 

…nicht nur minimiert. Sind wurden dank der neuen Einfriertechniken und Medikamente auf fast null reduziert!

 

Wie sehen Sie als Profi den aktuellen Film der Schweizer Regisseurin Barbara Burger, die selber Mutter von zwei Kindern ist?

Ein hervorragender Film! Sie verschafft eine neue Perspektive und betrachtet das ganze Thema der Reproduktionsmedizin nicht nur aus der Sicht der Betroffenen, sondern auch aus der der sogenannten Macher, die sie mit spannenden Einblicken nicht nur für Paare mit Kinderwunsch zu Wort kommen lässt, selbst aber keine direkte Wertung abgibt. Es ist eine Art Aufklärungsfilm.

 

 

 

 

 

 

Text – und Bildquelle: www.kinderwunschzentrumanderoper.de  

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