Willy Millowitsch – Erinnerungen an ein „Kölsches Original“

Willy Millowitsch – Erinnerungen an ein „Kölsches Original“

Am 20. September 1999, im hohen Alter von 90 Jahren, ist Willy Millowitsch von uns gegangen. Das kölsche Original verließ uns – sein Publikum, nachdem er sich bereits ein Jahr zuvor zur Ruhe gesetzt hatte. Der Kölner Ehrenbürger (seit 1989) stammte aus einer alten Schauspielerdynastie. Bereits seine Eltern, Schauspieler Peter Wilhelm Millowitsch und Ehefrau Käthe, standen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Klein-Willy wollte schon sehr früh auf die Bühne, die Schule interessierte ihn überhaupt nicht, und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er 1922 ohne Abschluss die Schule verließ und Schauspieler wurde. Willy Millowitsch übernahm 1940 die Leitung der väterlichen Bühne. Doch das allein hätte ihn nicht glücklich gemacht. Willy war auch als Regisseur und Hauptdarsteller tätig. 1939 heiratete er zum ersten Mal. Seine Auserwählte hieß Linny Lüttgen, aber die Ehe hielt nicht lange und nach einiger Zeit wurden sie wieder geschieden. 1946 heiratete er Gerda Feldhoff. Mit ihr bekam er vier Kinder: Katarina, Peter, Susanne und Mariele. Peter übernahm 1998 das Theater und Mariele ist eine bekannte und populäre Schauspielerin.


Willy Millowitsch – Erinnerungen an ein „Kölsches Original“

 

Willy Millowitsch – Erinnerungen an ein „Kölsches Original“

Das legendäre Millowitsch-Theater war ursprünglich ein Puppentheater, bis man auf richtige Schauspieler umstellte. Zu Anfang, aufgrund der schweren Depression und Inflation um 1920 wanderte das Millowitsch-Theater von einem Spielort zum anderen. Zuerst war es am Kristallpalast beheimatet, dann zog es weiter in die Schildergasse und in die Ehrenstraße. Aber dann, 1936, fand das Millowitsch-Theater seinen Stammplatz, wo es auch noch heute steht – nämlich in der Aachener Straße. Sogar die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges hatte es überlebt, zwar mit ein paar Kratzern, aber das Haus stand, und das war alles was zählte. Kölns damaliger Oberbürgermeister Konrad Adenauer bestand darauf, dass der Spielbetrieb fortgesetzt würde, und so standen die Schauspieler im Herbst 1945 wieder auf der Bühne. Adenauer dazu: „Die Leute müssen wieder was zu lachen haben“. Und damit hatte er Recht.


Willy Millowitsch war das, was man einen Vollblutschauspieler nennt. Er ging ganz und gar auf wenn er auf der Bühne stand . Aber das war nicht sein einziges Talent, denn nicht viele Bühnenschauspieler können einfach so zum Film wechseln, und sich auch vor einer Kamera wohlfühlen. Willy konnte es. Bereits 1949 wirkte er zum ersten Mal in einer Fernsehproduktion mit, gefolgt von weiteren Fernsehrollen von 1950 bis 1996. Dann kam auch die erste Live-Übertragung aus dem Millowitsch-Theater. Im Oktober 1953 flatterte Willy mit seinem Ensemble zum ersten Mal „Live“ in die deutschen Wohnzimmer, mit dem Stück „Der Etappenhase“, in dem er auch die Hauptrolle spielte. Im WDR Fernsehen wurde er besonders in der Rolle des „Kommissar Klefisch“ bekannt.


Willy Millowitsch – Erinnerungen an ein „Kölsches Original“

Auch in unzähligen Kinofilmen war er zu sehen („Drei Mann auf einem Pferd“, „Scampolo“ mit Romy Schneider, und als Nebendarsteller in der Hollywood-Produktion „Hilfe, die Amis kommen“ an der Seite von Chevy Chase im Jahr 1985). 1960 machte Willy Millowitsch auch als Sänger auf sich aufmerksam. Mit „Schnaps, das war sein letztes Wort“ erreichte er die Herzen der Kölner. Die Schallplatte verkaufte sich mehr als 900.000 Mal. Damit hatte sich Willy auch im Kölner Karneval etabliert. Unvergessen sein Hit „Ich bin ne kölsche Jung“, der noch immer jedem Kölner vor Rührung die Tränen in die Augen treibt, vor allem denen, die gerade nicht in der geliebten Domstadt sind. Willy Millowitsch konnte zwar keine Theaterstücke schreiben, so wie sein Sohn Peter, was er immer bedauerte, aber dafür gelang ihm die Umsetzung umso besser. Über vierzig Jahre lang stand Willy Millowitsch mit seinen Kindern auf der Bühne, bis er die Theaterleitung 1998 an seinen Sohn Peter Millowitsch übergab.


Willy Millowitsch – Erinnerungen an ein „Kölsches Original“

Dann – nur ein Jahr später – starb Willy Millowitsch an Herzversagen. Tausende von Menschen säumten den Weg, als er durch die Straßen von Köln zum Melaten Friedhof gebracht wurde. Vor dem Millowitsch-Theater an der Aachener Straße verharrte der Trauerzug zwei Minuten lang, und die Trauernden erwiesen Willy Millowitsch ihren Respekt, indem sie für den Schauspieler ein letztes Mal applaudierten. Beigesetzt wurde Willy Millowitsch im Familiengrab. Zuvor aber wurde im Kölner Dom die Totenmesse von Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann gehalten. Viele Prominente waren anwesend, um dem Volksschauspieler die letzte Ehre zu erweisen. Zum Auszug des Sarges spielte die Domorgel seinen Hit „Ich bin ne kölsche Jung“. Die Stadt Köln benannte wenig später einen Platz in der Nähe der Aachener Straße den „ Willy-Millowitsch-Platz“, und seit 2003 gibt es die „Willy-Millowitsch-Medaille“, die an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich um die „Kölsche Rede“ besonders verdient gemacht haben. Millowitsch selber erhielt unzählige Preise, u.a. den Telestar (1983). Auch ein Denkmal bekam er, und das bereits zu Lebzeiten. Seit 1992 ziert das Denkmal nun die Kölner Altstadt. Aber auch politisch war Willy Millowitsch tätig. Ebenfalls 1992 trat er zusammen mit vielen bekannten Kölner Künstlern als Redner und Sänger beim Kölner „Arsch-huh,-Zäng-ussenander“-Konzert gegen Rassismus und Antisemitismus auf.  Willy Millowitsch – er wird unvergessen bleiben!

 

Quelle: Wikipedia, Millowitsch Theater, Bildquelle: Millowitsch Theater, WDR


Willy Millowitsch – Erinnerungen

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.