Tim Mälzer: „Ich gucke eben auch, was wirklich machbar ist!“

Tim Mälzer: „Ich gucke eben auch, was wirklich machbar ist!“

Der „Küchenbulle“ zieht nach 10 Jahren TV-Präsenz Bilanz

 

Am 08.12.2003 erschien Tim Mälzer erstmals auf den TV-Bildschirmen der Nation und wollte in „Schmeckt nicht, gibt’s nicht!“ (VOX) dem Publikum beweisen, dass man aus wenigen, einfachen Zutaten ein leckeres Menü zaubern kann. An dieser Tatsache hält Tim Mälzer auch heute noch, nach zehn aufregenden, emotionalen und erfolgreichen Jahren, fest! Vieles hat sich seit dem ersten Auftritt des jungen „Küchenbullen“ verändert. In der Fernsehlandschaft, aber auch bei Tim Mälzer selbst. Zu Beginn seiner Karriere überraschte der junge, freche Koch die Zuschauer mit seiner eher unkonventionellen Art des Kochens. In „Schmeckt nicht, gibt’s nicht!“ vermittelte er zunächst, dass man auch als Hobbykoch oder gar Laie mit ein bisschen Fantasie positive Resultate in der heimischen Küche erzielen kann. Bereits nach kurzer Zeit entwickelte sich die Sendung zu einem Erfolg. Zu dieser Zeit gelingt es einem Koch zum ersten Mal, in diesem Ausmaß mediale Aufmerksamkeit zu erlangen. Die authentische Art des gebürtigen Elmshorners kommt an: Tim Mälzer wird zum gerngesehenen Gast in Talk-Shows, Einladungen in andere Fernsehsendungen folgen. Und nicht zuletzt tragen Formate wie „Kerner kocht“ verstärkt dazu bei, dass sowohl das Thema Kochen als auch der Koch Tim Mälzer immer weiter in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen. Rückblickend sieht dieser diese Auftritte als den Beginn dessen, was sich in den folgenden Jahren zu einem festen Format im deutschen Fernsehen entwickelte: „Ich glaube, dass ich mit meinen Kollegen durch meinen ersten Auftritt bei Johannes B. Kerner sehr dazu beigetragen habe, dass sich Kochen überhaupt zum Entertainment im deutschen Fernsehen entwickeln konnte. In meinen Augen ist dieser Auftritt von uns, gepaart mit der Vision von Markus Heidemanns zu dem damaligen Zeitpunkt die Keimzelle aller Sendungen gewesen, die darauf folgten.“ Markus Heidemanns (geschäftsführender Gesellschafter Fernsehmacher und MHOCH2), den Mälzer heute noch zu den maßgeblichen Wegbereitern seiner Anfangsjahre zählt, habe damals die Vision und den Mut gehabt, vorauszusehen, dass Kochen „so viel mehr als nur Kochen“ sein könne.

 

Tim Mälzer der Pionier

Schon bald ist klar: Tim Mälzer ist gekommen und wird bleiben. Und viele andere Köche folgen ihm. Was mit „Schmeckt nicht, gibt’s nicht!“ dank des Innovationsgedankens von Hans Demmel, Frank Hoffmann und Jörg Hoppe begann, führt er zunächst im Abendprogramm von VOX mit „Born To Cook“ weiter: Die Entwicklung eines neuen Fernsehformats hin zu dem, was man heute problemlos als „TV-Kochlandschaft“ bezeichnen kann. Koch-Shows wie „die Küchenschlacht“, „Lafer, Lichter, Lecker!“ oder „Topfgeldjäger“ schießen aus dem Boden. Kochen wird zu einem medialen Ereignis im deutschen Fernsehen und die Köche zu Stars. Allen voran Tim Mälzer. Sein Wissen ist gefragt, genauso wie seine Art, das Thema Kochen einem Millionenpublikum zu präsentieren. Mit dem Wechsel in die ARD, am 18. April 2009, tritt Tim Mälzer offiziell die Nachfolge von Deutschlands bis dato bekanntestem Hobbykoch an: Er übernimmt den Sendeplatz am Samstagnachmittag von Alfred Biolek als neuer Chefkoch des Ersten Deutschen Fernsehens. Seither ist er wöchentlich mit „Tim Mälzer kocht!“ in der ARD zu sehen, der einzigen Kochsendung im deutschen Fernsehen, bei der es ausschließlich um die Zubereitung schmackhafter Gerichte geht. Keine Show, kein Wettbewerb, keine Ablenkungen. Getreu dem Motto „das Essen ist der Star“, konzentriert sich Tim Mälzer auf das Wesentliche. In einer Zeit, in der sich im Fernsehen fast alles um die Quote dreht, stellt er bewusst das Produkt an sich in den Vordergrund. Und der Erfolg gibt ihm Recht: „Tim Mälzer kocht!“ wird seit 2009 wöchentlich ausgestrahlt und zusätzlich auf verschiedenen Regionalprogrammen der ARD mit erstaunlich guten Marktanteilen wiederholt. Trotz des nachmittäglichen Sendeplatzes hat es Tim Mälzer geschafft, mit einer Sendung, in der es einzig um das Kochen geht, bis heute erfolgreich zu sein.

 

Rockstar mit Vorbildfunktion

Neben seinen Auftritten als Koch im TV, ist es Tim Mälzers Anliegen, die Zuschauer zusätzlich für Inhalte rund um das Thema Ernährung und Lebensmittel zu sensibilisieren. Mit seinen Dokumentationen „Deutschland…isst“, „Lebensmittel-Check“ und „Der Ernährungs-Check“ (ARD und NDR), wagt er es als erster deutscher Fernsehkoch, in den Bereich der Ernährungsdokumentationen überzugehen. Wissenschaftlich aufbereitet und mit der Unterstützung von Experten gelingt es ihm auch hier, mit einem bis dato unbeachteten Format Montagabend zur Primetime zu bestehen und weit über vier Millionen Zuschauer zu informieren. Vor allem bei dem jüngeren Publikum der ARD kommen die Ernährungsdokumentationen gut an: Bis zu über 10% junge Zuschauer verfolgen die Sendereihen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich Tim Mälzer weniger als Koch präsentiert, sondern in erster Linie als Verbraucher. Ehrliches Interesse sieht der „Rockstar“ unter den Köchen auch hierbei als die Grundlage seines Erfolgs: „Bei den Dokumentationen habe ich noch mehr Einblick erhalten und dazu gelernt. Dadurch habe ich meine naive Sicht auf Lebensmittel und die Lebensmittelproduktion verloren und mein persönliches und privates Verhalten entsprechend angepasst.“, resümiert Mälzer.

„Frei nach Schnauze“

– so könnte man seine Kochphilosophie beschreiben. Tim Mälzer verstellt sich nicht, er biedert sich nicht an und er hat klare Prinzipien: Werbeverträge mit der Lebensmittelindustrie geht er anders als viele andere Köche nicht ein. Und er schreibt seinem Publikum nicht vor, was es zu essen oder zu kochen hat. In seinen Sendungen appelliert Tim Mälzer viel mehr an die eigenen Interessen seiner Zuschauer und regt zum Nachdenken an. Und ist dabei nicht belehrend. Eine Mischung, die Seltenheitswert hat, für Mälzer aber selbstverständlich ist: „Ich komme nicht als Naseweis daher, der sich überheblich über alles stellt und sagt, wie die Dinge sein sollten. Sondern ich gucke eben auch, was wirklich machbar ist für den Verbraucher.“ Dieser Grundgedanke zieht sich durch alles, was Tim Mälzer privat, vor allem aber beruflich macht. Auf unterschiedlichen Kanälen will Tim Mälzer Aufmerksamkeit auf das Thema Lebensmittel lenken. Das Medium Fernsehen spielt dabei eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle. Durch Projekte wie „Klasse, Kochen!“, bei dem Tim Mälzer Kindern und Jugendlichen bundesweit in extra dafür eingerichteten Übungsküchen zeigt, wie einfach Kochen sein kann, trägt er ebenfalls zu einem größeren Verständnis für bewußtere Ernährung bei. Auch in seinen Kochbüchern setzt er sich verstärkt mit dieser Thematik auseinander. In der „Greenbox“, seinem neuesten Kochbuch, stellt er ganz bewusst fleischlose Gerichte in den Vordergrund. Ein Schachzug, den man von dem „Küchenbullen“ nicht erwartet hätte. Aber auch hier bleibt Mälzer seiner Linie treu: Durch seine Dokumentationen hat er sich in der Zwischenzeit verstärkt mit Themen wie Tierhaltung oder Produktionsweisen beschäftigt. Die Forderung nach vermindertem Fleischverzehr stelle seiner Ansicht nach aber nur einen Lösungsansatz dar: „Wenn man Leute von etwas begeistern will“, so Mälzer, „muss man auch etwas Begeisterndes kreieren. Das ist mein Lösungsansatz und nicht der, über Verbote und Verzicht zu argumentieren. Daher die „Greenbox“.“ In den vergangenen Jahren ist Tim Mälzer mit bisher insgesamt über zwei Millionen verkauften Exemplaren seiner Kochbücher „Greenbox„, „Born to Cook I“, „Born to Cook II“, „Neues vom Küchenbullen“, „Kochbuch“ und „Mälzer & Witzigmann. Zwei Köche – ein Buch“, zum Bestseller avanciert. Auch live gab ihm der Erfolg recht: Als erster TV-Koch begeisterte er mit seiner „Ham‘ se noch Hack-Tour“ in Deutschland, der Schweiz und Österreich über 60.000 Besucher in 26 Städten. Doch Fernsehen, Kochbücher, Tour & Co allein scheinen dem umtriebigen Geschäftsmann nicht zu reichen. Insgesamt vier Restaurants nennt er inzwischen sein Eigen oder ist an ihnen beteiligt: „Bullerei“, „Altes Mädchen“, „Hausmann’s“ und sein gerade erst eröffneter „Off Club“. Tim Mälzer weiß, dass ihm vor allem auch seine Karriere im Fernsehen dabei geholfen hat, sich gastronomisch ausleben zu können: „Mein Job im Fernsehen hat es mir auch möglich gemacht, mich gastronomisch so zu entwickeln, wie ich jetzt gerade bin oder wie ich mich vielleicht noch entwickeln werde. Ich habe eine größere Sicherheit, weshalb ich Dinge riskieren kann, die andere vielleicht gerade nicht können.“

Koch. Gastronom. Showman.

Trotz seines Erfolgs im Fernsehen, ist es Tim Mälzer immer wichtig, auch als Gastronom wahrgenommen zu werden. Neben „Tim Mälzer kocht!“, seinen Dokumentationen und vielzähligen Auftritten in Unterhaltungssendungen, hat sich Mälzer in den vergangenen Jahren abseits des Fernsehens verstärkt auf seine gastronomischen Tätigkeiten konzentriert. Immer aktiv, immer bei der Sache – nur eben nicht immer vor der Kamera. Er braucht die Abwechslung, stellt sich gerne neuen Herausforderungen. Und nicht selten führt dabei eine Idee zum nächsten Projekt. So wie bei der neuen Koch-Show „The Taste“ (Sat.1). Seit einiger Zeit ist Mälzer verstärkt auf der Suche nach einer guten Restaurant-Location in New York. Der Big Apple hat es dem Norddeutschen angetan. Auf einer seiner Reisen in die USA stieß er im Fernsehen auf die amerikanische Ausgabe von „The Taste“ und wusste sofort, dass er bei einer deutschen Ausgabe mitmachen wolle. In der Zwischenzeit sind die Kandidaten gefunden, die Show konzipiert und der selbsternannte „Wettbewerbstyp“ Mälzer als Juror und Teamleiter dabei. Mit dem Start von „The Taste“ am 13.11.2013, feierte ein weiteres Koch-Format im deutschen Fernsehen mit Tim Mälzer Premiere.

Ausblick

Auch nach zehn Jahren Fernsehen hat er noch nicht genug davon, der deutschen Kochlandschaft sein Gesicht zu verleihen. Und ein Ende ist nicht abzusehen: Aktuell laufen im NDR wieder neue Dokumentationen zum „Lebensmittel-Check mit Tim Mälzer“ (montags, 21.00 Uhr im NDR Fernsehen) sowie „The Taste“ auf Sat.1 (mittwochs, 20:15 Uhr) und auch für 2014 freut sich Tim Mälzer auf sein weiteres Engagement bei der ARD. Noch immer behauptet sich der freche Jungspund von einst gegenüber der Konkurrenz und ist beliebt wie eh und je. Dass das Medium Fernsehen allein heutzutage für einen Künstler von seinem Format nicht mehr zeitgemäß ist, weiß auch Tim Mälzer. Daher zeigt er in den letzten Jahren auch verstärkt Präsenz im Internet. Einzigartig auch hierbei: Seine eigene Homepage tim-maelzer.de ist – wie sollte es anders sein – vollkommen werbefrei. Hier veröffentlicht er in regelmäßigen Abständen neue Rezeptideen und freizugängliche Folgen von „Tim Mälzer kocht!“. Über eine Million regelmäßige User verzeichnet die Seite bereits und die Anzahl wächst stetig. Auf stern.de präsentiert er zudem mit „Jetzt gibt’s Gemüse“ seine eigene Kochserie im Internet. Sein neuestes Projekt: Für das Shopping Portal SPRINGLANE ist er aktuell als Testimonial an Bord und möchte mit vielseitigen Tipps, Tricks und Kochprodukten dazu beitragen, eine Welt zu schaffen, die Lust aufs Kochen macht. So ganz kann sich Tim Mälzer weder auf das eine noch das andere beschränken. Dafür ist ihm die Balance zwischen Fernsehen, Gastronomie, Onlinemarkt oder Kochbüchern zu wichtig. Der „Küchenbulle“ ist eben vielseitig – genau wie sein Beruf. Er hat noch viel vor.

 

Text- und Bildquelle: Sundance Communications gmbH, Bildrechte/Fotograf: Sundance Communications gmbH/Ali Salehi für tibool

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.