„Reds nit, tuats was!“ Zum 100. Geburtstag von Hermann Gmeiner

„Reds nit, tuats was!“ Zum 100. Geburtstag von Hermann Gmeiner

Der Gründer der SOS-Kinderdörfer wäre am 23. Juni 100 Jahre alt geworden. Was Hermann Gmeiner mit einem Kinderdorf begann, ist heute eine Weltmarke. Was trieb den ehrgeizigen Bauernsohn an?

Es war einer dieser typischen Gmeiner-Sätze. Knapp und unmissverständlich forderte der Übervater der SOS-Kinderdörfer von seinen Getreuen: „Reds nit, tuats was!“ (Redet nicht, tut etwas!). Und Hermann Gmeiner hatte auch eine Idee, was getan werden müsste: Am 25. April 1949 gründete der Österreicher zusammen mit einem Kreis junger Frauen und Männer in Innsbruck die „Societas Socialis“, kurz SOS. Es war die Geburtsstunde der SOS-Kinderdörfer. Heute, 70 Jahre nach ihrer Gründung, ist die Organisation das größte private humanitäre Hilfswerk und unterstützt weltweit 1,5 Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene in 135 Ländern.

Gmeiner, Sohn eines Bergbauern aus dem Örtchen Alberschwende im österreichischen Vorarlberg, war selbst Halbwaise. Als er fünf Jahre alt war, starb seine Mutter Angelika. Nun saß Vater Hermann mit acht Kindern allein da. Wer sollte die Kinder betreuen, während er mit der harten Arbeit auf kargen Äckern die Familie durchbrachte? Für die Familie war schnell klar: Elsa, die 16-jährige Tochter, sollte die Erziehung der Kleinen übernehmen.

Und obwohl Elsa noch sehr jung war, funktionierte es: Der kleine Hermann und seine Geschwister gediehen prächtig. Er ging sogar aufs Gymnasium. 1940 musste er noch vor der Reifeprüfung zur Wehrmacht. Nach dem Krieg holte er das Abitur nach und begann 1946 in Innsbruck mit dem Medizinstudium. Er wollte Kinderarzt werden.

Während des Studiums wirkte er aktiv in der Jugendarbeit in Innsbruck mit und lernte die große Not vieler Kinder und Jugendlicher kennen, die nach dem Krieg niemand mehr hatten und auf sich allein gestellt waren. Diesen jungen Menschen zu helfen und etwas besseres zu bieten als Waisenhäuser, die der Österreicher abschätzig „Erziehungs-Kasernen“ nannte, wurde für Gmeiner zur fixen Idee.

Also steckte er sich ein großes Ziel: Etwas anderes sollte die Waisenhäuser ersetzen. Seine Idee: Jedes verlassene, Not leidende Kind sollte wieder eine Mutter, Geschwister, ein Haus und ein Dorf haben, in dem es wie andere Kinder in Geborgenheit heranwachsen kann. Aber der Start war holprig. Weder Kirche noch Staat waren von seiner Idee zu überzeugen. Aber es fanden sich Gleichgesinnte, die auch von der Notwendigkeit einer „Ersatzfamilie“ für Kinder ohne elterliche Betreuung überzeugt waren.

Für den Start hatte Gmeiner persönlich ganze 600 Schilling zur Realisierung seiner Idee. Die eigentliche Basis stellte Mitstreiterin Maria Hofer mit dem Erlös eines Grundstückes zur Verfügung. Damit konnte Gmeiner ein Grundstück in Imst, einer Gemeinde in der Nähe von Innsbruck, kaufen und erste Spendenaufrufe und Werbeaktivitäten finanzieren. Da er von der öffentlichen Hand keine Mittel erhielt, wandte sich Gmeiner direkt an die Bevölkerung mit der Bitte um eine Spende von einem Schilling im Monat.

Mit seiner Aura konnte Gmeiner die Menschen für seine Idee der SOS-Kinderdörfer begeistern, mit Hingabe und Sturheit setzte er sie durch. Offensichtlich war es gerade dieser Mix, der ihm dabei half, „seine“ Organisation groß zu machen. So gelang es ihm zum Beispiel binnen kurzer Zeit die nötigen Mittel für den Bau des ersten SOS-Kinderdorfes zu beschaffen: Am 2. Dezember 1949 fand das Richtfest für das erste Familienhaus (Haus „Frieden“) statt. Und noch am selben Tag feierte man der Spatenstich für den Bau von vier weiteren Häusern. 1951 konnten die ersten 40 Kinder aufgenommen werden. Das erste SOS-Kinderdorf in Deutschland wurde 1956 in Dießen am Ammersee gebaut. 1963 entstanden erste Kinderdörfer in Asien und Lateinamerika.

Gmeiner starb am 26. April 1986 im Alter von 65 Jahren an Krebs. Er hinterließ seinen Nachfolgern eine agile Hilfsorganisation, die zum Zeitpunkt seines Todes bereits in 100 Ländern tätig war. Die Nachfolger bauten die Programme und die Hilfsangebote aus, heute gibt es neben den SOS-Kinderdörfern Sozialzentren, Schulen und Ausbildungszentren, medizinische Zentren, Familien- und Nothilfe, insgesamt über 2600 Projekte.

Ursprünglich hatte Gmeiner nur ein Kinderdorf bauen wollen. Doch der Bedarf an Hilfe für gefährdete Kinder weltweit ließ Gmeiner und seine Nachfolger nicht ruhen. „Jedes Kind auf der Welt braucht ein liebevolles Zuhause!“ hatte Gmeiner vorgegeben. Oder einfach: „Reds nit, tuats was!“

 

 

 

 

 

 

 

 

Text – und Bildquelle:  SOS-Kinderdörfer weltweit

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