Ist das Konzept „Universitätsklinik“ in Deutschland kurz vor dem finanziellen Kollaps?

Ist das Konzept „Universitätsklinik“ in Deutschland kurz vor dem finanziellen Kollaps?

„Wir leisten mehr“ – im Rahmen der deutschlandweiten Aktionswoche „Hochschulmedizin“ lud das Universitätsklinikum Bonn Abgeordnete des Düsseldorfer Landtages sowie die Medien zur Hospitanz an ihr Interdisziplinäres Notfallzentrum (INZ). Klinikumsvorstand und INZ-Leitung zeigten den hohen Leistungsanspruch an die universitäre Notfallversorgung, der unter teils schwierigen finanziellen Bedingungen rund um die Uhr zu gewährleisten ist.      

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Prof. Wolfgang Holzgreve, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des UKB, betonte        bereits zu Beginn der     Veranstaltung: „Die Notaufnahmen der Uniklinika leisten mehr als andere Krankenhäuser, denn nur hier gibt es die enge Zusammenarbeit zwischen so vielen Fachrichtungen. Schwierige oder seltene Fälle landen bei uns, werden vom Finanzierungssystem aber nicht entsprechend vergütet.“ Damit ist bereits das Kernproblem erfasst. Uniklinika leisten überproportional mehr in der Patientenversorgung, aber auch in anderen Bereichen wie Forschung und Lehre. Hier werden die Mediziner von morgen ausgebildet und die neuesten Therapieverfahren direkt zum Patienten gebracht – nur die angemessene Vergütung fehlt. Dr. Ingo Gräff, Leiter des Interdisziplinären Notfallzentrums, zeigte seinen Gästen, wie das INZ 24 Stunden am Tag auf alle Eventualitäten vorbereitet sein muss – und welche Ressourcen diese Vorhaltesystematik verbraucht. Abgeordnete Elisabeth Müller-Witt (SPD) dazu: „Ich wollte mir heute selbst ein Bild machen zum erhöhten finanziellen Bedarf der Uniklinika. Dieser ist ganz klar begründet, auch durch die Versorgungsansprüche der veränderten Bevölkerungsstrukturen. Wie sich das umsetzen lässt, wird zu diskutieren sein.“ Auch Abgeordnete Renate Hendricks sieht die Relevanz der Universitätsklinik für die Menschen in der Region: „Ich möchte, dass das UKB auch weiterhin eine wichtige Rolle an diesem Standort spielt. Die gesicherte Finanzierung ist dabei ein ganz wichtiger Punkt.“

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Am Mittag luden alle nordrhein-westfälischen Universitätsklinika zur gemeinsamen Pressekonferenz in den Düsseldorfer Landtag. Auch hier wurde nochmals auf die Finanzierungsproblematik und nicht leistungsgerechte Vergütung hingewiesen. „80 Prozent der Seltenen Erkrankungen werden in Universitätsklinika behandelt. Zudem leistet die Hochschulmedizin mit der Lehre einen wichtigen gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Beitrag.“, erläuterte Prof. Stefan Uhlig, Dekan des Universitätsklinikums Aachen. Diese Arbeit wird aber nicht angemessen honoriert und dadurch wirtschaften sich viele Klinika ins Minus. „Wichtige Gründe dafür sind der Investitionsstau sowie die Sonderleistungen der Universitätsklinika wie z.B. Extremkostenfälle.“, so Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Münster. Monetärer Ausgleich, um den finanziellen Kollaps zu verhindern, geht vor allem zu Lasten des Personals. Durch Einsparungen arbeiten Ärzte und Pfleger bis zum Limit, um Auswirkungen auf die Patientenversorgung zu verhindern. Für das Jahr 2014 erwarten 61 Prozent der Universitätsklinika in Deutschland ein Defizit. Damit der Apparat „Hochschulmedizin“ auch zukünftig reibungslos läuft, besteht dringender Handlungsbedarf für eine faire Finanzierung.

 

Text- und Bildquelle: Universitätsklinikum Bonn (AöR)

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