Historisches Urteil: Bundesverwaltungsgericht Leipzig verbietet millionenfaches Kükentöten – PETA begrüßt wegweisende Entscheidung

Historisches Urteil: Bundesverwaltungsgericht Leipzig verbietet millionenfaches Kükentöten – PETA begrüßt wegweisende Entscheidung

Brüterei-Betreiber aus den Landkreisen Paderborn und Gütersloh führten einen jahrelangen Prozess, um das Vergasen männlicher Küken weiterhin praktizieren zu dürfen. Im Mai wurde der Fall in vorerst letzter Instanz verhandelt. Heute verkündete das Bundesverwaltungsgericht Leipzig, das Kükentöten zu verbieten. Die Tierschutzorganisation PETA hatte die Verzögerungstaktik vonseiten der Politik im Vorfeld scharf kritisiert und lobt die wegweisende Entscheidung des Gerichts.

„Wie so oft hat die Politik das Leid von Millionen Tieren jahrelang tatenlos mit angesehen und die grenzenlosen Profitinteressen der Landwirte mangels verbindlicher gesetzlicher Vorgaben protegiert. Somit war wieder einmal ein langer Prozess bis hin zur letzten Instanz nötig, um seit Langem geltendes Recht in der Praxis durchzusetzen. Mit dem Urteil hat das Bundesverwaltungsgericht endlich mit Präzedenzwirkung für alle Gerichte und Behörden klargestellt, dass wirtschaftliche Interessen nicht per se über dem ethisch begründeten Lebensschutz für Tiere stehen“, so Dr. Christian Arleth, Rechtsanwalt bei PETA.

Die Tierschutzorganisation weist darauf hin, dass das Urteil ein richtungsweisender Entscheid zum unbestimmten Rechtsbegriff des sogenannten vernünftigen Grundes im deutschen Tierschutzgesetz ist. 2013 wies das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium die Kreise Paderborn und Gütersloh an, sämtlichen Brütereien in ihrem Zuständigkeitsbereich das tierschutzwidrige Kükentöten zu untersagen. Bevor der Fall vor dem Bundesverwaltungsgericht verhandelt wurde, klagten die Brüterei-Betreiber bereits erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht Minden und dem Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen. Parallel zum damaligen Verfahren hatte PETA bereits 2015 Anzeige gegen die Brütereien erstattet, die am Kükentöten festhielten. Daraufhin erhob die Staatsanwaltschaft Münster Anklage. Diese ließ das Landgericht Münster – später bestätigt durch das Oberlandesgericht Hamm – unter anderem aufgrund der Fehlentscheidung des Verwaltungsgerichts Minden nicht zu. Eben jene Entscheidung hob das Bundesverwaltungsgericht jedoch heute auf.

Gesetze vonseiten der Politik seit Jahren zugunsten der Industrie missachtet

Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 50 Millionen männliche Küken vergast, weil sie weder Eier legen noch genug Fleisch ansetzen. Julia Klöckner und ihre Vorgänger versprachen wiederholt, dass das Kükentöten beendet werde, sobald es eine „praxistaugliche Alternative“ gebe. PETA kritisiert scharf, dass Gesetze seit Jahren zugunsten der Industrie missachtet werden, obwohl Alternativen vorhanden sind und Verbraucher Umfragen zufolge auch einen wenige Cent höheren Preis pro Ei zu zahlen bereit wären [1]. Die Tierschutzorganisation übergab Bundeskanzlerin Merkel und Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner im Mai per Mail eine Petition mit mehr als 92.000 Unterschriften gegen das Kükentöten.

Systembedingtes Leid in der deutschen Eierindustrie

Das geplante Verbot des Kükentötens ändert jedoch nichts am Leid der über 40 Millionen überzüchteten Hennen in der deutschen Eierindustrie. Diese fristen ihr Dasein weiterhin in Käfigen oder Hallen mit Tausenden Artgenossen auf ihren eigenen Exkrementen. Aus Stress und Langeweile reißen sich die Tiere gegenseitig die Federn aus. Viele Hühner leiden unter wunden Fußballen, entzündeten Kloaken oder aufgrund des Kalziummangels an Knochenbrüchen. „Wir können nur erahnen, wie schmerzhaft jede einzelne Bewegung für sie sein muss“, so Arleth. Ganz gleich, ob Bio oder konventionell: Hennen in der Eierindustrie wird nahezu alles verwehrt, was ein artgerechtes Leben für sie ausmacht. Da sie für die Industrie nutzlos sind, sobald ihre Legeleistung nachlässt, werden sie in der Regel nach gerade einmal eineinhalb Jahren im Schlachthaus getötet.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

 

 

 

 

 

 

Text – und Bildquelle: PETA

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