Neu im Kino: 1000 Arten, den Regen zu beschreiben

Neu im Kino: 1000 Arten, den Regen zu beschreiben

Der 18-jährige Mike (Béla Gabor Lenz) verrammelte die Tür zu seinem Zimmer und ist seit Wochen nicht mehr herausgekommen. Sein Vater Thomas (Bjarne Mädel), seine Mutter Susanne (Bibiana Beglau) und seine Schwester Miriam (Emma Bading) sind ratlos. Sie stehen vor der verschlossenen Tür, fordern auf, hoffen, flehen, fragen, verzweifeln, ignorieren, beschuldigen, rasten aus – und sind durch die Situation gezwungen, sich immer mehr mit ihrem eigenen Leben zu beschäftigen. Vor allem Mikes Schwester leidet. Sie sehnt sich nach ihrem großen Bruder und fühlt sich alleingelassen.

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Allein mit ihren eigenen Problemen, sich als Teenager in ihrer Welt zurechtzufinden. Und allein mit der Familie, die immer mehr an dieser Zerreißprobe zerbricht. Da helfen die Nachrichten, die Mike Miriam durch die Tür schiebt und in denen er aktuelle globale Regenphänomene beschreibt, auch nicht weiter. Aber zumindest stehen diese Nachrichten für die Hoffnung, dass das Band der Familie noch nicht ganz zerrissen ist. So dünn es auch ist. In ihrem Debütfilm „1000 ARTEN, REGEN ZU BESCHREIBEN“ findet Regisseurin Isa Prahl eine deutliche und eindrucksvolle Bildsprache, die sie mit Symbolen wie dem Regen und der verschlossenen Tür auf kluge Weise unterstreicht.

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Jede der Figuren wird im Laufe des Films dem Regen begegnen und Türen schließen. Ob äußerlich und wortwörtlich oder auch innerlich und im übertragenen Sinne. Da ist zum einen Mikes Mutter, die in der Beziehung zu Mikes bestem Freund eine Art Ersatzsohn herbeisehnt und die von Bibiana Beglau so real verkörpert wird, dass man sie am liebsten tröstend in den Arm nehmen möchte. Ihre Verzweiflung und Verdrängung berührt gleichermaßen. Mikes Vater, der mit der Situation komplett überfordert ist und in den Alkohol flieht, die stille Verzweiflung mit Wut kompensiert wird von Bjarne Mädel so intensiv gespielt, den Zuschauer abholt, sodass dieser sich sofort seine Lage versetzen kann. Dasselbe gilt auch für Emma Bading als Miriam, die unendlich viel Verletzlichkeit und Fragilität an den Tag legt, was die ausgezeichnete Kamera von Andreas Köhler einfängt. Der Zuschauer kann mit allen Figuren mitfühlen, sich in die Situation reinversetzen und auf ein glückliches Ende hoffen.

Der Trailer:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text – und Bildquelle: Meuser Filmpresse

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