Jim Morrison – gestorben, um ewig zu leben – Das Special

Jim Morrison – gestorben, um ewig zu leben – Das Special

Vor 73 Jahren, am 08. Dezember 1943, machte Clara Clark Morrison in Melbourne, Florida, USA, ihren Gatten, George Stephen Morrison, zum stolzen Vater des ersten gemeinsamen Nachkommens, welcher auf den bürgerlichen Namen James Douglas Morrison getauft…

Jim Morrison – gestorben, um ewig zu leben

Vor genau 65 Jahren, am 08. Dezember 1943, machte Clara Clark Morrison in Melbourne, Florida, USA, ihren Gatten, George Stephen Morrison, zum stolzen Vater des ersten gemeinsamen Nachkommens, welcher auf den bürgerlichen Namen James Douglas Morrison getauft, folglich jedoch mit Vornamen Jim genannt wurde. Voll des elterlichen Glückes, welches sich nun in der jungen Familie einnistete, ahnten weder Clara Clark, noch George Stephen, dass sie an diesem 08. Dezember nicht einzig ihrem Erstgeborenen das Leben schenkten, sondern wahrlich einem neuzeitlichen Messias, dem die Massen nachfolgen würden. Und wie hätten sie dies auch voraussehen sollen; kein neuer Erdenbürger, auch nicht Jim, kommt bereits als Held auf diese Welt. Die ersten vier Lebensjahre waren wohl die unbeschwertesten und kindlichsten, die Jim vergönnt waren. Ob das schreckliche Trauma, welches der 4-Jährige in Form von der Beobachtung eines grausamen Verkehrsunfalls erlitt, ausschlaggebend für die fortan stets voranschreitende Abgrenzung seines Geistes war, ist zwar annehmbar, dennoch nur ein kleiner Beitrag zum sich bildenden Gesamtwerk „Jim Morrison“. Viele Jahre später erinnerte sich der Augenzeuge mit folgender Aussage: … wir fuhren im Morgengrauen durch die Wüste und ein mit indianischen Arbeitern vollgeladener Laster ist mit einem anderen Wagen zusammengestoßen … die verblutenden Indianer lagen auf der ganzen Straße verteilt. Das war das erste Mal, dass ich Angst verspürte. … Das sind die Seelen der Geister dieser toten Indianer ..vielleicht ein oder zwei von ihnen.., die damals ausgeflippt herumrannten und in meine Seele sprangen … und dort sind sie noch immer.“
(Jim Morrison, An American Prayer, 1970). Zur Überwindung dieses Erlebnisses versuchte sein Vater zwar, Jim davon zu überzeugen, dass er diesen schrecklichen Vorfall nur geträumt habe, dennoch prägten die Bilder den Geist des Jungen, der selbst auf seinem Weg zum Erwachsenwerden stets versuchte, das Geschehene zu verarbeiten. Die Eindrücke brannten sich in Morrisons Verstand, der fortan davon überzeugt war, an jenem Tag seine kindliche Seele gegen die der toten Indianer eingetauscht zu haben. Im Morgengrauen dieses Tages wurde draußen in der Wüste der tanzende Schamane in ihm geboren. Der Bruch war da. Jims Welt sollte fortan eine andere sein; eine, in welcher früher oder später kein Platz mehr für elterliche Fürsorge, Strenge oder Zugänge sein sollte. Betrachtet man den familiären Hintergrund, besonders den väterlichen Rang, ahnt man bereits die vorprogrammierten Schwierigkeiten.

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Jim Morrison ist fünf, als im Jahre 1947 mit der Geburt seiner Schwester, Anne Robin, in Albuquerque, New Mexiko, sein Dasein als Einzelkind beendet wird. Ein Jahr später, 1948, kommt in Los Altos, Kalifornien, sein Bruder Andrew Lee zur Welt. Es fällt auf, dass die in relativ kurzen Abständen geborenen Kinder in drei unterschiedlichen Bundesstaaten entbunden wurden. Das lag daran, dass George Stephen Morrison erst als Offizier und später als Admiral in der United States Navy diente und daher die gehorsame, treue Familie untertänig mit ihm von Wohnort zu Wohnort wanderte. So hatte es auszusehen, das Bild der patriotischen, unfehlbaren, konservativen Familie. Und dem perfekten Bild des vorzeigbaren Erstgeborenen, dem Stolz des Admirals, sollte auch Jim entsprechen. Der Knabe, der traumatisiert durch sein noch junges Leben wandelte und dessen Seele von den Geistern der toten Indianer in Besitz genommen wurde, stieß bei seinem Vater auf keinerlei Verständnis. Sie lebten beide in unterschiedlichen Welten, allerdings mit dem Unterschied, dass dem Vater die Erziehung des „verwirrten“ Kindes oblag und jenes sich daher der äußerst strengen Hand zu unterwerfen hatte. So wurden zu Hause nicht nur absolute Disziplin und unabdingbarer Gehorsam verlangt, es war obendrein Gebot, das väterliche Haupt ausschließlich mit „Sir“ anzusprechen. Bei dieser Atmosphäre blühte und gedeihte die emotionale Distanz aller Familienmitglieder zueinander.  Statt liebevolle Erklärungen durch elterliche Dialoge zu erfahren, verkroch sich Jim in die Welt der Literatur. Diese Welt war unendlich, sie erklärte geduldig, sie urteilte nicht über die Gefühle und Gedanken des Lesenden, sie bot auf alles eine Antwort. Jim begriff die Macht der Worte äußerst schnell und er machte gerne davon Gebrauch, z.B., um sich gegen die verhasste Autorität aufzulehnen. Bissige, aggressive oder satirische Gedanken, verpackt in poetische Worte, bildeten die ersten Gedichte des mittlerweile 12-Jährigen. Während sich andere Kinder in Jims Alter noch mit dem Schmökern von Comic-Heften aufhielten, studierte der Eigenbrödler bereits die schwere Kost eines Charles Baudelaire, James Joyce, Honoré de Balzac, Arthur Rimbaud oder auch Friedrich Nietzsche. Morrisons Adern wurden nicht ausschließlich vom Blut durchspült; in ihnen floss die pure Kunst. Jim verdient für wahr den Titel „Genie“, sowohl sinnbildlich, als auch buchstäblich, was sein überdurchschnittlich hoher IQ von 149 bekräftigt. Mit Erreichen der Volljährigkeit im Jahre 1961, begann Jim sein Studium der Film- und Theaterwissenschaft, weshalb er sich an der Florida State University in Tallahassee einschrieb. 1964 wechselte er an die UCLA in Los Angeles und vollbrachte in seinen insgesamt drei Jahren Studium zwei Filme, von denen das erste Werk den Titel „First Love“ trägt.


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Die umständlichen Aufwendungen, maßlosen Mühen sowie die unglaublich zeitintensive Arbeit der Filmbranche befriedigten Jim nicht lange, sodass er das Studium unbeendet hinter sich ließ. Er besann sich zurück auf seine „wahre Passion“, die Macht der Sprache, und brachte sie dort zum Einsatz, wo sie wie für ihn gemacht worden zu sein schien: in der Kunst der Musik. Hier durfte, konnte und sollte er sich austoben; hier brachte er das zu Papier, was tief in ihm schlummerte, ihn bewegte und an ihm nagte. Jim erklärt sich selbst: „Für mich scheint das ein Weg zur Freiheit zu sein; eine äußere Revolte ist ein Weg zu innerem Frieden.“ Der mittlerweile 22-Jährige machte schließlich die schicksalhafte Bekanntschaft mit einer Frau, die ihm fortan für den Rest seines Lebens als enge Verbündete und geliebte Gefährtin zur Seite stehen sollte: Pamela Courson. In Venice Beach genossen Jim und Pamela sich, ihre Freiheit und das Leben in vollen Zügen. „Anfangs kreierten wir Musik, uns selbst, jede Nacht … starteten mit einigen Auszügen, vielleicht einigen Wörtern für einen Song. Manchmal arbeiteten wir draußen in Venice, schauten den Surfern zu. Wir waren viele zusammen und es war eine gute Zeit für jeden von uns. Acid, Sonne, Freunde, das Meer, Poesie und Musik.“, so seine Erinnerungen an diese schwerelose Zeit. Jim, dem starre Regeln und Gesetzgebungen schon seit seiner Kindheit zuwider waren, war bereits die personifizierte Rebellion. Weder er, noch seine Gefährtin, kannten, achteten oder akzeptierten Grenzen. Diese gab es für sie nicht; sie wollten grenzenlos frei sein, was schließlich dazu führte, dass sie begannen, mit allen nur möglichen Drogen zu experimentieren. Vornehmlich erlagen sie dem Genuss von LSD, Amphetaminen und Meskalin. Der in Morrison innewohnende Poet kam in diesen Momenten besonders „klar“ zum Ausdruck und die lyrischen Ergüsse sprudelten nur so aus ihm heraus. Seine zu Papier gebrachten Gedanken waren beeindruckend, brillant, furchteinflössend und absurd zugleich. 1967 äußerte sich das Magazin „Vogue“ über ihn wie folgt: „Jim Morrison schreibt, als wäre Edgar Allan Poe in Gestalt eines Hippies zurückgekehrt.“ Eines seiner Lieblingsthemen galt dem Tod, welchen er in seinen Gedichten auch gerne mit der Nacht umschrieb. Jim kokettierte mit dem „Sensenmann“ und sprach oft davon, gerade im Angesicht des Todes das Leben am intensivsten zu spüren. Er besass kein Verständnis dafür, warum der Tod von den meisten Menschen als etwas Furchtbares, Böses oder Negatives angesehen wird: Es ist merkwürdig, daß sie den Tod fürchten, denn das Leben schmerzt mehr als der Tod. In dem Moment, wo man stirbt, verschwindet der Schmerz. Ich glaube schon, daß der Tod ein Freund ist.” Jims Freund, der Tod, dem diese Bezeichnung “my only friend, the end” ebenfalls in dem Song “The End” gewidmet wurde.


 

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Die Drogen waren laut Morrison „eine Wette, deren Einsatz Dein Verstand ist.“ Immerhin gebrauchte Jim seinen Verstand glücklicherweise genau richtig, indem er seine poetischen Eingebungen zu Papier brachte und sie nicht in sich selbst begrub. Als sich im Sommer 1965 drei junge Männer namens Ray Manzarek (Pianist, Organist, Bass-Keyboarder), Robby Krieger (Gitarrist) und John Densmore (Schlagzeuger) gemeinsam mit Jim daran machten, ihr Leben in den Dienst ihrer Passion, der Musik, zu stellen, wurde der Teil der amerikanischen Musikgeschichte geschrieben, dessen Titel einzig und allein „The Doors“ heißt. Zweifellos entsprang die Namensgebung, welche im Jahr 1966 erfolgte, dem Geiste Morrisons, denn immerhin zählte Aldous Huxleys „The doors of perception“ („Die Pforten der Wahrnehmung“ berichten von der Erweiterung des Bewusstseins durch die Einnahme von Meskalin) zu Jims literarischen Favoriten und welcher Bandname könnte eine bessere Verbindung zu dem Ur-Zitat des ebenso vergötterten Malers und Dichters Wiliam Blake herstellen, welches folgendermaßen lautet: „Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, so erschiene dem Menschen alles, wie es ist: unendlich.“ (William Blake, The marriage of heaven and hell, 1790-1793) Inhaltlich waren die engagierten Musiker bestens ausgerüstet, denn schon lange bevor überhaupt die Idee zur Gründung einer Band existierte, hatte Jim bereits Texte für fast zwei komplette Alben verfasst. Jetzt ging es darum, diese Botschaften nach außen zu tragen und möglichst viele Menschen damit zu begeistern. Dies geschah zunächst durch Auftritte bei Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern und Hochzeiten, was ihnen nach einigen Events immerhin schon die Unterzeichnung eines Vertrages bei Columbia bescherte. Für einige Zeit spielten die unbekannten Musiker für fünf Dollar pro Mann und Nacht in einem heruntergekommenen Laden am Sunset Strip namens „London Fog“.

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Das waren zwar sehr kleine Schritte, aber immerhin kein Stillstand. Zu jener Zeit gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder würde der Traum der Band für immer in den vier Wänden des „London Fog“ weiter geträumt werden oder aber es würden die berühmten großen Steine in den Weg gelegt werden, die alle namhaften, populären Musiker vor dem Erreichen ihres Erfolges überwinden mussten. Letzteres war der Fall, denn zunächst erhielten Jim & Co. die Nachricht, dass Columbia den Plattenvertrag nicht verlängern würde. Die dort zuständigen Plattenbosse hatten niemals vor, eine Platte von „The Doors“ zu produzieren, was sie im Nachhinein sicherlich bitter bereuten. Dann flogen die vier jungen Künstler aus dem „London Fog“, konnten aber, Dank ihres mittlerweile erspielten Rufes, umgehend im wesentlich bekannteren und zahlungskräftigeren, legendären „Whisky-A-Go-Go“ ein Engagement einheimsen. Wie es der Zufall wollte, oder wie es vorherbestimmt war, sah sie eines Abends der Chef der New Yorker Plattenfirma Elektra Record, wo sie schließlich unter Vertrag genommen wurden.


 

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Das schillernde, populäre und tragische, da letzte, Kapitel im Leben des Jim Morrison begann im Jahre 1967 und dauerte die vier darauf folgenden Jahre an. Im Januar 1967 erschien das Debutalbum, welches den originellen Namen „The Doors“ verpasst bekam. Die erste Single „Break on through“ veränderte die Chart-Geschichte nicht sonderlich, das änderte sich jedoch mit der zweiten Single „Light my fire“, mit welcher sich „The Doors“ im Juli für drei Wochen auf Platz eins der US-Charts katapultierten. Die Single wurde zur erfolgreichsten des Jahres und nahm auf diesem Weg gleich das ganze Album mit an die Spitze. Sowohl Album, als auch die zweite Single, verkauften sich über eine Million Mal. Im November folgte das zweite Werk „People are strange“, welches den dritten Platz der offiziellen US-Charts für sich bestimmen konnte. Nur wenige Monate zuvor galten „The Doors“ noch als Geheimtipp, jetzt hatten sie es geschafft. Sie waren nach den Beatles die erfolgreichste Band in den USA. Zu der Zeit, als Jim, Ray, Robby und John ihre musikalisch verpackten Botschaften unter das Volk mischten, tobte immer noch der Vietnamkrieg. Die Bürger waren es satt, ständig nur neue Nachrichten über das sinnlose Blutvergießen registrieren zu müssen. Morrison, der die Drogen wohl schon mit dem letzten Rest an innewohnender Realität finanziert hatte, traf mit seinen kritischen, schwer verdaulichen Texten über Frieden, Freiheit und Selbstfindung genau den Nerv der Masse, die auch größtenteils bewusstseinserweiternde Drogen konsumierten, um dem Schmerz, der Brutalität und der Fesseln der Gesellschaft zu entfliehen.

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Jeder hatte die Nase voll vom Krieg, stattdessen wurden Liebe und Frieden herbeigesehnt. Im März 1968 erschien die bereits fünfte Single „The unknown soldier“ daher zum passenden Zeitpunkt. Der Song über den Tod eines Soldaten endet mit den Worten: „War is over.“ Das wollten die geschundenen Bürger hören, sie hatten ihren Messias gefunden. Jim, der selbsternannte „Schamane“ war in aller Munde, zierte die Titelseiten sämtlicher Magazine und mutierte zum neuen Sexsymbol Amerikas. Jeder wollte ein bisschen „Jim Morrison“ sein; jeder wollte ein bisschen von „Jim Morrison“ besitzen. Und Jim Morrison selbst? Auf die Frage, ob er sich selber als Helden bezeichnen würde, antwortete er: Ein Held ist jemand, der gegen die Tatsachen der Existenz rebelliert oder zu rebellieren scheint und sie scheinbar meistert. Offensichtlich funktioniert so etwas nur für kurze Zeitspannen und kann nicht ewig andauern. Damit meine ich nicht, daß die Leute nicht weiterhin gegen die Grundsätze der Existenz rebellieren sollten. Eines Tages, wer weiß, überwinden wir vielleicht den Tod, Krankheiten und Krieg.” Der von Natur aus schüchterne Morrison, der anfangs noch mit dem Rücken zum Publikum auftrat, wurde mehr und mehr in die Ecke gedrängt. Der Wirbel um seine Person machte ihm Angst und behagte ihm überhaupt nicht. Auch er war nur ein Mensch mit ihm anhaftenden Unfehlbarkeiten und Grenzen. Ich habe etwa das Gefühl, daß ich wie eine Bogensehne ein halbes Leben gespannt war und plötzlich losgelassen worden bin.”, so der Sänger über seine eigene Person. “Ich halte mich für einen intelligenten, sensitiven Menschen mit der Seele eines Clowns, die mich immer zwingt, bei den wichtigsten Dingen zu übertreiben.”


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Seine Übertreibung: Sex, Drogen und der Rock ’n’ Roll beherrschten sein komplettes Leben. Er trank Unmengen Alkohol, was ihn auch körperlich zunehmend sehr mitnahm, und trat meistens mit mehreren Whiskeyflaschen auf der Bühne vor seinen Fans auf. Regelmässige Zusammenbrüche waren bei seinen Exzessen vorprogrammiert. Mitte 1968 erreichte die Popularität der “Doors” ihren Höhepunkt. Ihre Konzerte füllten mühelos große Locations mit über 10.000 Plätzen. Ihr drittes Album “Waiting for the sun” sowie ihre sechste Single “Hello, I love you” kamen beide auf Platz 1 der Charts. Der Druck wurde immer größer, die Stärke und das gegenseitige Vertrauen der Bandmitglieder wurde oftmals auf eine harte Probe gestellt, die Konzerte wurden auf Grund von Jims provokativen Auftritten und kontroversen, improvisierten Texten, immer explosiver. Dies rief zum Schutze von Anstand und Moral bei jedem “Doors”-Konzert die Anwesenheit der jeweils ortsansässigen Polizei auf den Plan. Bereits ein Jahr zuvor, am 09.12.1967, kam es in New Haven zu einem Eklat, als Jim auf der Bühne vor den Augen des Publikums verhaftet wurde, weil er öffentlich mit eindeutig untermalenden Gesten seinen Gästen davon berichtete, wie ihn wenige Minuten zuvor hinter der Bühne ein Polizeibeamter mit Zuhilfenahme von Tränengas dazu aufforderte, das in jenem Moment stattfindende “unzüchtige Benehmen” mit einem willigen Groupie zu unterlassen. Im Anschluss an seine Berichterstattung reizte der sich unverstanden fühlende Morrison die anwesenden Polizisten, indem er diese wiederholt als “Schweine” beschimpfte, was diese hingegen sofort dazu veranlasste, auf die Bühne zu marschieren und Jim festzunehmen. Die Anklage lautete damals auf öffentliche Ruhestörung, unsittliches Benehmen und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Gegen eine hinterlegte Kaution von 1.500 US-Dollar kam der Sänger anschließend wieder frei. Jim beschrieb die Philosophie eines “Doors”-Konzertes folgendermaßen: Ich glaube, daß es ein weites Feld von Bildern und Gefühlen in uns gibt, welches wir in unserem täglichen Leben selten hinauslassen können. Und wenn diese Gefühle einmal hervorbrechen, können sie perverse Formen annehmen. Es handelt sich um die dunkle Seite in uns, die jeder, der sie erkennt, auch in sich selbst wiederfindet. Es ist das Zurschaustellen von Kräften, die selten das Tageslicht erblicken.”  Trotz aller Skandale und Aufregungen erklommen “The Doors” sämtliche Sprossen auf der Erfolgsleiter. Gegen Ende des Jahres 1968 landete die Band ihren dritten großen Hit mit der siebten Single “Touch me”, welche sich sogar auf dem ersten Platz der Charts in Gold verwandelte. Die Medaille des Erfolges, des Ruhmes und Geldes hat jedoch stets zwei Seiten. Trotz der schattigen Regenwolken, die sich über den “Doors” zusammenbrauten, waren die Musiker guter Dinge und machten sich motiviert an die Bearbeitung ihres vierten Albums. Man schrieb den 01. März 1969, als sich auf dem ersten ihrer Konzerte in Florida, Miami, das wohl größte Spektakel in der Rockgeschichte ereignete – Dank Jims Anteilnahme, die ihren absoluten Höhepunkt an Überschreitungen nehmen sollte. Zunächst verpasste Jim wegen eines Streites mit Pamela in L.A. die Maschine, weshalb er seiner Band Richtung Miami hinterherflog. Aufgestachelt und gereizt trank er bereits auf der Hinreise sehr viel Alkohol und verpasste obendrein noch die Anschlussflüge.


 

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Das Publikum wartete ungeduldig und genervt, der Saal war proppenvoll, das Klima heiss und angespannt. Mit einer Stunde Verspätung betraten zunächst die bereits anwesenden drei Bandmitglieder die Bühne und begannen voller Hoffnung auf Jims Erscheinen mit dem Spiel der ersten Takte. Als es soweit war und der “Kopf” der Band mit Anwesenheit glänzte, hätten sich Ray, Robby und John sicherlich gewünscht, der mehr als gewöhnlich betrunkene Sänger wäre gar nicht erst angekommen. Jim torkelte auf die Bühne und war kaum in der Lage, sich auf den Beinen zu halten. Gesanglich stand es um ihn nicht besser, seine Texte beherrschte er so gut wie gar nicht. Anstatt sich auf die Gesangseinlagen zu konzentrieren, interessierte sich Jim mehr dafür seine Fans zu beschimpfen und Obszönitäten durch den Saal zu schreien. Kaum hatte er eine Strophe gesungen, setzte er seine Beleidigungen auch schon wieder fort. Ein wahres Armutszeugnis. Dort stand er, der vulgäre Poet, der selbst in seiner eigenen, fantastischen und spirituellen Welt keinen Frieden mehr zu haben schien.

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Ihn umgab seine ganze verkommene und versoffene Pracht. Der Lizard-King, Arme und Beine um den Mikrofonständer mit der Hoffnung auf Halt geschlungen, rülpsend, sabbernd und säuselnd: Ihr seid doch alle ein Haufen Idioten, (…) ihr seid ein Haufen Sklaven. (…) Ich rede davon, ein bisschen Spass zu haben, ich rede von Tanzen, ich rede von der Liebe zu eurem Nächsten, bis es weh tut, ich rede davon, euch euren Freund zu schnappen, ich rede von Liebe, Liebe, Liebe, Liebe. Hey! Hört her, ich bin einsam, ich brauch´n bisschen Liebe, hört ihr? Will mich keiner mal ´n bisschen lieben? Kommt schon, ich brauch´ euch. Ihr seid so viele da unten, will mich keiner von euch lieben? (…) Na los!“


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Als ihm dann auch noch ein lebendiges kleines Lamm in den Arm gedrückt wird, das Jim an sich klammert und auf den rechten Arm nimmt, beginnt das Publikum zu lachen, zu jubeln und tosend zu applaudieren, als er durch die Menge ruft: „Ich würde es ja ficken, aber es ist noch zu jung“. Damit nicht genug unternimmt er den Versuch, seine Kleider abzulegen, indem er sein Hemd von sich wirft und sich die Hose aufknöpft.
Er wollte zeigen, aus welchem “Holz er geschnitzt” war. Wie weit Jim Morrison mit seinem Striptease tatsächlich kam, ist bis heute nicht belegbar. Obwohl tausende Augenpaare Zeugen dieses Debakels wurden, existiert kein einziges Bild, welches eindeutig belegen kann, was ihm im Nachhinein vorgeworfen wurde: öffentliche Entblössung und angedeutete Masturbation. Als ihm während seines Schauspieles BHs, Höschen und leere Flaschen entgegenfliegen, beendet ein Ordner schließlich diesen traurigen Akt. Nach tragischen 45 Minuten ist das Konzert beendet. Der Wendepunkt in der bisher gelungenen Karriere trat unmittelbar ein, es bildeten sich Bürgerinitiativen gegen die Band, Jim Morrison mutierte zum Feindbild und anstatt der von Morrison beabsichtigten Rebellion, gelang ihm mit dieser Nummer lediglich das Ankommen inmitten des Brennpunktes des öffentlichen Interesses. Der Sänger zerfiel innerlich immer mehr, er beherrschte die Kunst der Worte, die Macht der Sprache, aber er verstand es nicht, als gefeierte Persönlichkeit einen kühlen Kopf zu bewahren. Ihm fehlte der Glauben an sich selbst, so, wie seine Fans kompromisslos an ihn glaubten. Seine Wut entlud sich innerhalb der Band, am Publikum und zuletzt auch an sich selbst. Auch wenn seine “Anhänger” ihn wie einen Gott verehrten, so wusste Jim Morrison nur zu gut, dass nicht er, James Douglas Morrison, bewundert und verehrt wurde, sondern lediglich die Figur “Jim Morrison”, die Marionette der Massen, der Clown, der Narr, zu dem man ihn machen wollte. Dafür verachtete er seine Fans, die nichts für seine Lyrik, seine Literatur, seine Poesie übrig hatten. Im Juli 1969 erschien das Album “The soft parade”, welches sich kaum verkaufen liess und als das schlechteste aller “Doors”-Alben enttäuschte. Aus Angst vor den Eskapaden des Sängers strichen außerdem viele Veranstalter die gebuchten Konzerttermine. Im Februar 1970 kam das fünfte Album “Morrison Hotel” heraus, welches erfreulicher Weise rasch in die TopTen kletterte. Nach einigen Anläufen folgte im April 1971 das sechste Album, “L.A. Woman”. Das Album erreichte die Nummer 9 in den Charts und brachte der Band bemerkenswerterweise ihre achte Gold- bzw. Platinauszeichnung in Folge ein. Obwohl Jim zu dieser Zeit bereits schwerst alkoholabhängig und körperlich sehr angeschlagen ist, vermag nichts und niemand seinen enorm hohen Intellekt und seinen einmaligen, kreativen Geist zu stoppen. Seine damalige Umwelt verstand den “Schamanen” und seinen Geist nicht. Morrison litt sehr darunter, dass er als Poet, als Dichter, nicht ernstgenommen und stets missverstanden wurde. Sogar seine engen Verbündeten, die anderen drei Bandmitglieder, liessen es zu, dass ihre gemeinsamen Lieder kommerzialisiert und für Werbespots verkauft wurden. Sie entschieden einfach über Jims Kopf hinweg, da für sie der Gewinn im Vordergrund stand, was für Jim selber nie eine wirklich wichtige Rolle spielte. Der ihm zugetragene Titel “Popstar” passte Jim ebenfalls ganz und gar nicht. Die Botschaften seiner Stücke verhallten ins Leere und schienen für jeden anderen Menschen, außer dem Verfasser selber, zusammenhangslos, wirr und unbegreiflich zu sein. Doch wie hätten auch all die Fans, die Jim ganz einfach als Sexsymbol und Rockikone feierten, zur damaligen Zeit die Verheissungen und Visionen, die Jim sogar teilweise bereits in seinen Träumen und Vorhersehungen detailgenau durchlebte, begreifen können? Sie nahmen jedes seiner Worte für bare Münze; buchstäblich, nicht symbolisch.


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Über dieses Phänomen äußerte Jim Morrison sich einmal, in Bezug auf den sich selbst zugetragenen Titel des Lizard-King: “Die Ernennung liegt schon etwas zurück, und auch zu der Zeit meinte ich es ironisch, sagte es so halb als Witz. Doch die Presse nahm es sofort auf. Ich dachte, jeder würde es als Ironie erkennen, doch tatsächlich hielten mich alle für verrückt. Ich glaube, daß vor dem Schreiben und Singen eines meiner größten Talente das instinktive Geschick zur Verbreitung meines eigenen Images ist. Es gelang mir recht gut, die Öffentlichkeit mit kleinen Phrasen wie „Politiker der Erotik“ und so zu manipulieren. Schließlich bin ich mit dem Fernsehen und den Illustrierten aufgewachsen und wußte instinktiv, was die Leute schnell aufschnappen. So habe ich diese kleinen Juwelen hier und dort ausgestreut, ganz unschuldig. Natürlich rief ich nur die Reaktionen auf.” Wie kam Jim eigentlich auf die Idee, sich als Lizard-King zu bezeichnen? “Nun, ich besaß ein Buch über Reptilien und Schlangen und so. Der erste Satz des Buches fiel mir besonders ins Auge: „Reptilien sind die interessanten Nachkommen herrlicher Vorfahren.“ Sie sind das Endglied eines Anachronismus. Wenn alle Reptilien in der Welt morgen verschwinden würden, würde sich die Balance in der Natur nicht einmal ein wenig verschieben. Sie sind tatsächlich völlig eigenständige Geschöpfe. Und ich glaube, daß deswegen nur Reptilien einen weiteren Weltkrieg oder eine vollständige Verseuchung unserer Welt überleben könnten. Und wir dürfen auch nicht vergessen, daß Eidechsen und Schlangen auch mit dem Unterbewußten und den Kräften des Bösen gleichgesetzt werden. Das Stück THE CELEBRATION OF THE LIZARD war unter anderem auch eine Beschwörung dunkler Kräfte. Wissen Sie, ich wuchs einen Teil meines Lebens im Südwesten auf und liebte immer schon Eidechsen. Als Kind fing ich sie. Vor Schlangen habe ich immer noch Respekt. Ich könnte beispielsweise nie mit einer Schlange spielen. Es gibt anscheinend etwas tief in der menschlichen Psyche, das auf Schlangen reagiert. Die Schlange repräsentiert wohl alle Dinge, die wir fürchten.” Am 8. Dezember 1970 nahm Jim Morrison einige neue Gedichte auf. Vier Tage später, am 12. Dezember, gaben “The Doors” ihr letztes Live-Konzert. Nach dem Song “Riders on the storm” schleudert Jim den Mikrofonständer in die Menge, bricht zusammen und fällt ins Schlagzeug des Kollegen John Densmore. Jims Körper und Sinne verlangten nach Ruhe und Abstand. Anfang März 1971 verließ er die USA und zog zu seiner geliebten und treuen Gefährtin Pamela Courson, in das repräsentative vierte Arrondissement in der Rue Beautrilly Nr. 17, nach Paris. John Densmore war der Letzte von “The Doors”, der mit Jim sprach, als dieser ihn von Paris aus anrief und ihm enthusiastisch über die Stadt der freien, grenzenlosen Künste vorschwärmte. Morrison schien dort angekommen zu sein, wo ihn seine ruhelose Seele hintrieb, um „er“ selbst und um frei zu sein. Paris war das Ziel seiner langen, einsamen, spirituellen Reise. Hier sollte er ewige Ruhe, Frieden und Freiheit finden. Am Abend des 30. Juni 1971 kehrte Jim von seinem Besuch auf dem Friedhof zurück zu Pam und sagte zu ihr, dass es “eine Ehre für jeden Menschen sei, auf dem Friedhof “Pere Lachaise” bestattet zu sein.” Welch Tragik, dass er nur wenige Tage darauf diese grosse Ehre erlangen sollte und welch kraftvolle Abrundung des Persönlichkeitsbildes des Jim Morrison. Über sein Leben sagte Morrison einmal:

“Ich verleugne nicht, daß ich die letzten Jahre eine ganze Menge Spaß hatte. Ich traf eine große Anzahl interessanter Leute und habe in einer kurzen Zeit Dinge gesehen, die ich normalerweise nicht in 20 Jahren gesehen hätte. Nein, ich bereue diese Zeit nicht. Könnte ich es nochmal machen, würde ich wahrscheinlich zu einem stillen, unauffälligen Künstler werden, der sich in seinem eigenen Garten abrackert.”


 

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Allerdings gab es doch etwas in seinem fantastischen Leben, was er nicht unbedingt wiederholen wolle: die für all seine Fans so wertvolle Foto-Session als “Young Lion”: “Ich glaube, dass ich nie wieder für solche Fotos posieren würde. Ich muß da wohl nicht ganz bei Sinnen gewesen sein. Ich kann es mir heute kaum vorstellen, daß ich jemals vor der Kamera so posierte. Ganz schön bescheuert. Wenn ich meine Vergangenheit nochmals erleben könnte, würde ich so etwas nicht mehr machen. Nie im Leben! Damals dachte ich noch, ich wüßte genau, was ich tat. Nur ist das Unangenehme an einem Foto die Tatsache, dass – wenn es einmal gemacht worden ist, kann man es nicht mehr zerstören, es ist für alle Zeiten verfügbar. Ich stelle mir mit Schrecken vor, daß ich mit 80 Jahren mir noch immer diese Fotos anschauen muß, für die ich einmal posiert habe. Doch jetzt ist es zu spät. Mit dem Gerede von meinem Sexappeal ist es genauso. Wenn einmal das Gerede vorhanden ist, bleibt es bestehen. Dabei hat jeder genau dasselbe Equipment wie ich, jeder Mensch hat Sexappeal, biologisch gesehen. Es sind die Journalisten und andere Presseleute, die diesen Unsinn erfinden und verbreiten. Die Leute, die das Zeug lesen, glauben es schließlich. Andererseits verschafft mir dieses Image auch Beziehungen, die ich sonst wahrscheinlich nie bekommen hätte, insbesondere zu einigen phantastischen Frauen. So war es in der Retrospektive doch recht vorteilhaft.” Auf die Frage, wie Jim sich seinen Tod vorstellt, antwortete er: “Ich hoffe, im Alter von 120 Jahren mit einem glücklichen Gefühl in einem hübschen, komfortablen Bett zu sterben. Ich will dann niemanden bei mir haben, möchte nur ruhig hinwegdriften. Und ich möchte bei Bewußtsein sterben, ich will diesen einzigartigen Augenblick voll erfahren. Aber das hat hoffentlich noch Zeit, das Leben ist noch zu interessant. Auch meine ich, daß die Wissenschaft es noch in unserer Generation schaffen wird, den Tod zu besiegen.” Leider hat die Wissenschaft das große Rätsel des Todes oder die Formel zu dessen Bezwingung noch nicht gelöst. In den frühen Morgenstunden des 03.07.1971 wurde Jim Morrison von seiner Muse Pamela Courson in der gemeinsamen Wohnung tot in der Badewanne aufgefunden. Was sich genau an jenem Morgen in Paris ereignete, kann nur spekulativ rekonstruiert werden. Zeitzeugen und Freunde aus der damaligen Zeit schweigen bis heute. Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass Jim gemeinsam mit Pamela seinen Tod nur vorgetäuscht hätte, und dass er heute auf irgendeinem einsamen, abgelegenen Fleckchen dieser Welt sein Leben in Ruhe und Frieden genießt. Andere hingegen behaupten, Jim sei ermordet worden. Man habe ihm auf der Toilette eines Nachtklubs eine Überdosis Heroin verabreicht und anschließend seinen bereits leblosen Körper in die Badewanne in seiner Wohnung gelegt.

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Die Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithfull, die zu dieser Zeit zum engsten Freundeskreis von Jim und Pamela gehörte, soll ebenfalls hieran beteiligt gewesen sein, so lautet jedenfalls die ausführliche Darlegung des ehemaligen Nachtklubmanagers, Sam Bernett, der 2007 sein Buch “The End – Jim Morrison” veröffentlichte und angeblich Augenzeuge davon war, wie Jim, zu diesem Zeitpunkt schon tot, in der Mitte von zwei anderen Personen, die ihn wohl unter den Armen haltend mitschliffen, den Club verließ. Fraglich bleibt nur, warum er mit der Enthüllung dieser angeblichen Vorgänge ganze 36 Jahre wartete. Die offizielle Version jedoch, welche auf den polizeilichen Aussagen von Pamela, dem gemeinsamen Freund Alan Ronay, sowie dem damals herbeigerufenen Einsatzleiter der Feuerwehr basiert, besagt, dass Jim an Herzversagen starb. Einen Tag zuvor, am 02.07., traf sich Jim mit Alan Ronay, um mit ihm gemeinsam den warmen, sonnigen Tag zu verbringen. Alan, der Jim gut kannte, machte sich wohl Sorgen um seinen Freund, da er fand, dass dieser krank und müde aussah.


Jim Morrison – gestorben, um ewig zu leben

Am späten Abend gingen Jim und Pamela ins Kino und sahen sich die Spätvorstellung des Filmes “Pursued” mit Robert Mitchum und Teresa Wright an. Nachdem sie wieder zu Hause ankamen, spülte Pam das Geschirr und Jim sah sich auf seinem Filmprojektor einen Super-8-Film an. Gemäss ihrer Aussage schien es Jim gutzugehen, sie waren beide glücklich und zufrieden. Schließlich gingen sie zu Bett und ließen auf dem Plattenspieler im Schlafzimmer noch einige Schallplatten laufen. Irgendwann in der Nacht wurde Pam von einem lauten, würgenden Geräusch geweckt. In der Annahme, Jim sei am Ersticken, versuchte sie, ihn wachzurütteln und schlug ihm ein paar Mal ins Gesicht. Jim erwachte, stand auf und ging einige Schritte umher. Pam war nun sehr besorgt und wollte einen Arzt rufen. Jim Morrison fühlte sich sehr unwohl und beschloss, ein Bad zu nehmen. Kaum in der Badewanne liegend, rief er Pamela und sagte, ihm sei schlecht, er müsse sich übergeben. Pamela stand ihm zur Seite, als er sich insgesamt drei Mal übergab. Neben der Badewanne kniend hielt sie ihm die Schüssel ans Kinn und sah, dass Jim zunächst Blut und beim dritten Mal sogar Blutklumpen erbrach. Als sie nochmals vorschlug, einen Arzt zu rufen, beruhigte er sie, indem er sagte, dass es ihm nicht mehr schlecht ginge. Er fühle sich seltsam oder, gemäß seinen eigenen Worten, “bizarr”. Sie solle zu Bett gehen, er würde sein Bad beenden und ihr dann ebenfalls ins Bett folgen. Pamela beruhigten seine Worte, sie sah keinen weiteren Anlass, sich Sorgen zu machen, da Jim anscheinend tatsächlich besser aussah und er bereits wieder etwas Farbe im Gesicht hatte, und ging schließlich ins Bett, wo sie sofort einschlief. Etwas später riss sie irgendetwas aus dem Schlaf und ließ sie plötzlich hellwach werden. Die Seite neben ihr im Bett war leer und Pam rannte sofort ins Badezimmer. Sie fand Jim mit dem Kopf auf dem Badewannenrand, aus seinem linken Nasenloch, welches von einem Blutklumpen verstopft war, sickerte etwas Blut, sein Mund zeigte ein ganz feines Lächeln, sein Gesicht war unverzerrt und zeigte keinerlei Spuren, welche auf einen Todeskampf hindeuten würden. Pamela, die Jim zunächst wachrütteln wollte und anschließend vergebens versuchte, seinen schweren Körper aus der Badewanne zu hieven, stürzte schließlich voller Panik ans Telefon und rief Alan Ronay an, der wenig später gemeinsam mit seiner Freundin, Agnes Varda schließlich die Feuerwehr alarmierte.


Jim Morrison – gestorben, um ewig zu leben

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Gemeinsam zogen sie Jim Morrison aus der Badewanne und legten ihn auf den Boden um eine Herzmassage durchzuführen. Es war bereits zu spät – Jim Morrison war tot. Seine nackte Leiche wurde auf das Bett gelegt und von den mittlerweile ebenfalls eingetroffenen Polizisten mit einer Tagesdecke bedeckt. Pam, Alan und Agnes wurden noch vor Ort von der Polizei befragt. Einige mündliche Aussagen von Alan Ronay widersprechen sich allerdings zu den von ihm später auf der Polizeiwache offiziell protokollierten Angaben. Um 14.30 Uhr meldete die Polizei schließlich auf dem Standesamt den Tod des James Douglas Morrison, woraufhin seine Sterbe- sowie Bestattungsfreigabeurkunde ausgestellt wurde. Pamela verbrachte die Nacht vom 03. auf den 04. Juli vermutlich gemeinsam mit Alan und Agnes in deren Wohnung. Jims Leiche blieb auf dem Bett in der leeren Wohnung in der Rue Beautreillis liegen. Ob sich in jener Nacht die Seelen der toten Indianer von ihrem viele Jahre bewohnten Heim, Jims Körper, verabschiedeten? Haben sie Jim schon lange auf diesen Moment vorbereitet? In den Lyrics des Songs “Hyacinth House” singt er auszugsweise: “I see the bathroom is clear
I think that somebody##s near
I##m sure that someone is following me, oh yeah (…)>And I##ll say it again, I need a brand new friend, the end”

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Diese Nacht, alleine in der großen Wohnung, gehörte jedenfalls den indianischen Seelen und Jim. Am Tag des 04. Juli kamen Pamela und Alan zurück in die Wohnung und verblieben wohl dort, um für den Fall, dass die Polizei noch Fragen hatte, vor Ort zu sein. Mit Jims Leiche im Schlafzimmer muss dies ein düsterer, stiller und schwerer Tag gewesen sein. Drei Tage später, am 07.07., kam um 9 Uhr ein Leichenwagen mit vier Sargträgern, die Jim zur Beerdigung auf den Pere-Lachaise-Friedhof, 6. Division, zweite Reihe, brachten. Einzig Pam, Alan, Agnes, Bill Siddons sowie Robin Wertle, eine andere Freundin, waren bei der Beerdigung des Lizard-King anwesend. Kein Geistlicher, kein Familienmitglied, kein Ray Manzarek, kein Robby Krieger, kein John Densmore und auch keine Fans.


Jim Morrison – gestorben, um ewig zu leben

Es ist anzunehmen, dass Jims Familie zu diesem Zeitpunkt nicht darüber informiert war, dass ihr Sohn und Bruder verstorben war, denn es herrschte zwischen ihnen schon seit längerem so gut wie kein Kontakt mehr. Es existieren keinerlei öffentliche Aufnahmen oder Artikel über die eigentliche Beerdigungszeremonie. Erst in einer Pressemitteilung vom 08.07.1971 wurde der Welt eröffnet, dass Jim Morrison tot und bereits begraben sei. Ein öffentliches Spektakel sollte unter allen Umständen vermieden werden. Jim sollte im Kreise derjenigen, die ihn als Menschen aufrichtig liebten dieser Welt entfliehen. Auch diese private und äußerst geheime Vorgehensweise animiert viele seiner Anhänger dazu, seinen Tod immer noch nicht als Fakt hinzunehmen. Natürlich weiss niemand genau, wie sich damals alles zutrug, dennoch ist davon auszugehen, dass Jim Morrison tot ist. Bis auf den heutigen Tag versammeln sich seine treuen Fans vor seinem Grab, um ihm Beigaben wie z.B. Blumen, Whiskeyflaschen oder auch Joints, zu hinterlassen. Obwohl auf dem Friedhof noch zahlreiche, weitere namhafte Persönlichkeiten ruhen, so gehört Jim Morrisons Grab zweifellos zu den meistbesuchten des ganzen Friedhofs. Zeitweise zierte eine Büste des legendären Sängers und Dichters dessen Ruhestätte, die allerdings wiederholt gestohlen wurde. Im Jahr 1991 nahm ein massiver Stein den Platz der Büste ein, auf welchem die griechische Inschrift KATA TON DAIMONA EAYTOY zu lesen ist, was zu deutsch wohl soviel wie “Gemäß seinem eigenen Geist” oder “Seinem eigenen Dämon entsprechend” heißen könnte. Zwischenzeitlich wurde das Grab zum Schutz vor Vandalismus abgesperrt und wird heute noch teilweise bewacht. Seine zu Lebzeiten engste Vertraute, Pamela Courson, folgte ihm am 25. April 1974, im Alter von ebenfalls 27 Jahren, nach einer Überdosis Heroin. Was “The Doors” angeht, so beschlossen die verbliebenen Mitglieder, ihren Weg als Trio weiterzugehen.

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Im Jahre 1971 kamen noch zwei Alben von ihnen heraus, die aber keine großen Erfolge erzielten. Bereits Ende 1972 hatten sie dann ein Einsehen und lösten “The Doors” im April 1973 endgültig auf. Auch ein im Sommer 1974 kurzfristiges Revival, bei dem Iggy Pop Jim Morrisons Part am Mikrofon übernahm, änderte nichts an der Tatsache, dass mit dem Tod von Jim auch gleichzeitig der Tod der “Doors” eintrat. 1994 erfüllte sich durch Manzarek der Kindheitstraum von Pearl-Jammer Eddie Vedder, als sich die Verbliebenen doch noch einmal zusammentaten, um mit Eddie als Sänger ein kleines Minicomeback zu feiern.


Jim Morrison – gestorben, um ewig zu leben

Am 26.09.2000 kamen die drei überlebenden Doors-Mitglieder für ein Reunion-Konzert wieder zusammen, um mit mehreren Sängern, die Morrisons Part übernahmen, aufzutreten. Mit Ian Astbury als Sänger –ehem. The Cult- gingen “The Doors” im Jahre 2002 in den USA wieder auf Tournee, allerdings unter dem Bandnamen “Doors of the 21st Century” und 2004 folgte eine Welttournee. Anstelle von John Densmore spielt Ty Dennis Schlagzeug, und anders als früher tritt die Band mit einem eigenen Bassisten auf (Angelo Barbera). Aufgrund von anhängigen Rechtsstreits bezüglich der “Doors”-Rechte, wird der Bandname in “Riders on the storm” geändert. Sie können wohl nicht loslassen, Fakt ist jedoch, dass sich der Erfolg, trotz ihres Bekanntheitsgrades, ohne den “Gott” der “Doors”-Fans, Jim Morrison, einfach nicht einstellen will. Die Songs aus der Stereoanlage werden wohl ewig den Live-Auftritten der Nachkommenschaft vorgezogen werden.
Die von Jim Morrison am 08. Dezember 1970 aufgenommenen, neuen Gedichte wurden im Jahr 1977 von den restlichen drei “Doors”-Mitgliedern musikalisch unterlegt und im Jahr 1978 auf dem Album “An American Prayer” veröffentlicht. Im Sog des 1991 von Oliver Stone produzierten Filmes “The Doors” erreichten die Verkäufe der “Doors”-Alben nochmals weltweit Rekordmarken. “The Doors” wurden ein zweites Mal entdeckt und zwar von einer neuen Generation, die Jim Morrison lediglich aus Dokumentationen, aus alten Videos und von den Alben ihrer Eltern kannten. Viele von ihnen waren bei seinem Tod noch nicht einmal geboren. Dennoch besitzt der Geist, der Jim Morrison umgab, eine ungebrochene Faszination. Morrison lebte nach der Devise “Live fast, love hard, die young”.

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Er gab den “Doors” nicht nur seine Stimme, nicht nur sein Bild – er war “The Doors”. Ihm verdankte die Band ihre große Popularität. Jim Morrison, der Sänger der “Doors”, der Poet, der tanzende Schamane, der Amerikaner mit der Liebe zum Blues, der Reisende in die endlose Nacht, der König der Eidechsen. Selbst zwei Jahrzehnte nach seinem geheimnisumwitterten Tod reflektiert er wie ein Spiegel die Phantasien über das wahre Wesen des Rock. James Douglas Morrison – er lebte nur 27 intensive Jahre, die ihn weltweit unvergessen machten. Er folgte seinem einzigen Freund, dem Tod, um in einem Jeden von uns ewig weiterzuleben, als das, was er tatsächlich war: ein Genie, ein Dichter, ein Poet.


JIM MORRISON – “Live fast, love hard, die young”

 

 

 


Quelle: Wikipedia, Youtube, John Densmore, Bildquelle: Wikipedia, Rolling Stone, Image.net, Youtube

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