Gunter Demnig verlegt weitere Stolpersteine

Gunter Demnig verlegt weitere Stolpersteine

Kleine Denkmale erinnern an Verfolgte des NS-Regimes

 

An 25 Orten in Köln verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig am 21. und 22. Oktober 2015 insgesamt 33 weitere Stolpersteine. Die kleinen Denkmale erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Demnig lässt sie an den Orten in den Boden ein, wo die Menschen vor ihrer Flucht oder Verhaftung lebten. Damit erinnern die Stolpersteine individuell an den oder die Verfolgten, sie werfen aber auch Fragen nach der Täter- und Mittäterschaft auf. Die kleinen Denkmale beruhen auf dem Prinzip des Engagements: Demnig verlegt einen Stolperstein, wenn Einzelne oder Gruppen, wie etwa Schulklassen, eine kostenpflichtige Patenschaft übernehmen. Bisher gibt es über 2000 Stolpersteine in Köln und rund 50.000 in mehr als 800 Orten in der Bundesrepublik. Auch in Österreich, Italien, Ungarn, der Ukraine, Belgien, Polen, Tschechien, Norwegen und den Niederlanden sind viele Kommunen an dem Projekt beteiligt. Am 21. und 22. Oktober 2015 verlegt Demnig Stolpersteine für jüdische Opfer, politisch Verfolgte und „Euthanasie“-Opfer.

 

Metzer Straße 31

Gedenkstein für Henriette Aron

Die 1898 geborene jüdische Kauffrau führte an dieser Adresse ein Geschäft für Süßwaren und verkaufte auch Bonbons – „Kamelle“. Von den Kindern der Umgebung wurde sie die „Kamellen-Oma“ genannt. Einer der damaligen Jungen erinnert sich noch heute daran, dass ihm Henriette Aron manchmal Bonbons schenkte. Im Gedenken an sie stiftet er den Stolperstein. Im Oktober 1941 wurde Henriette Aron von Köln in das Ghetto Litzmannstadt/Lodz deportiert und von dort aus 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno. Unmittelbar nach der Ankunft ist sie ermordet worden.

 

Lothringer Straße 16

Gedenkstein für Heinrich Miltrup

Im Rahmen der „Euthanasie“ des NS-Regimes wurde der 1903 geborene Heinrich Miltrup ermordet. Den Stein finanziert das Kölner Zentrum für selbstbestimmtes Leben. Es übernimmt zugleich einen weiteren Stein für ein Opfer der NS-Krankenmorde (Gremberger Straße 87). 1933 kam Heinrich Miltrup wegen eines Fahrraddiebstahls in das Räderwerk der nationalsozialistischen Verfolgung. Man erklärte ihn zum „gefährlichen Geisteskranken“ und wies ihn in eine geschlossene Anstalt ein. 1935 wurde er in der Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau zwangssterilisiert. Mehrfach gelang ihm die Flucht von dort, er wurde jedoch immer wieder gefasst. Sein letztes Lebenszeichen stammt aus dem Februar 1940, danach verliert sich seine Spur. Es ist zu vermuten, dass Heinrich Miltrup im April 1940 mit weiteren 323 Männern und zwölf Frauen in die Tötungsanstalt Brandenburg verschleppt und dort ermordet wurde. Seit 1964 ruht seine Urne in einem Ehrengrab auf dem Kölner Westfriedhof. (Literatur: Gabi Schmitt/Heike Zbick: „… zu keiner Arbeit zu brauchen. Verlegt in eine andere Anstalt“, Köln 2005)

 

Vogelsanger Straße 344

Gedenkstein für Elisabeth Jansen

Mit ihrem Mann Lambert Jansen und ihren drei Kindern lebte die 1888 im Kreis Düren geborene Elisabeth Jansen in Köln. 1936 wurde sie verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt. Man legte ihr den Aufbau des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands (KJVD), den Vertrieb der Zeitung Jungprolet und Unterstützung von illegalen Funktionären der KPD und des KJVD zur Last. Ein Gericht verurteilte sie zu über zwei Jahren Gefängnis.

Ihren Ehemann hatten die Nationalsozialisten bereits 1935 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu mehr als drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe kam das Ehepaar zunächst wieder frei. Im Oktober 1944 wurden Elisabeth und Lambert Jansen erneut verhaftet. Lambert Jansen folterte die Gestapo im Gefängnis Brauweiler zu Tode, nach seinem Tod beging Elisabeth Jansen dort Suizid. Das Ehepaar liegt heute auf einem Gräberfeld für Gestapo-Opfer in Brauweiler begraben. Für Lambert Jansen gibt es bereits einen Stolperstein. Die Finanzierung des Steins hat die Frauenorganisation Soroptimists International Club Köln übernommen.

 

Quelle: Stadt Köln, Bildquelle: museenkoeln.de

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