Elvis Presley – vom Tellerwäscher zum Millionär

Elvis Presley – vom Tellerwäscher zum Millionär

Viele Menschen machen sich im Laufe ihres Lebens auf Grund ihres Talentes oder ihrer Denk- und Handlungsweise einen großen Namen. Wenigen Menschen jedoch gelingt noch einiges mehr, wenn sie es nämlich schaffen, ihren eigenen Namen zu personifizieren. Einige sind uns da aber auch in negativer Erinnerung geblieben, aber das soll nicht unser Thema sein. Zwischen den Jahren 1935 bis 1977 allerdings lebte ein Mensch, der seinem Namen eine Bedeutung zukommen ließ, die bis zum heutigen Tage nur für eines steht: die Entstehung des Rock´n´Roll!

Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Von diesem Menschen wird gesagt, er sei der größte Entertainer gewesen, der je lebte; der größte Blues-Sänger der Welt. Ein weiteres Zitat lautet: „Es hat Anwärter auf den Thron gegeben, es hat Herausforderer gegeben. Aber es gibt nur einen König. Alles beginnt und endet mit ihm.“ (Bruce Springsteen)  Der „Boss“ huldigt dem „King“! Elvis – der King; wäre er vor 32 Jahren nicht auf tragische Weise ums Leben gekommen, hätte er am 08. Januar 2009 seinen 75. Geburtstag gefeiert. Und auf bestimmte Art feiert er diesen auch, denn Elvis lebt weiter, in den Herzen seiner Fans!  Selbst Jahrzehnte nach seinem Tod ist sein Ruhm ungebrochen. Bücher, Videos oder CDs von Elvis sind als Verkaufsschlager ein Garant. Aktuell wurde ihm zu Ehren am 03. August 2007 von seinem Label RCA eine Doppel-CD mit seinen 50 größten Hits veröffentlicht. Doch wer war Elvis eigentlich? Was machte ihn, im Gegensatz zu all seinen Kollegen, zu etwas so Besonderem? Schon bei seiner Geburt, am 08. Januar 1935, kämpfte sich Elvis Aron Presley auf die Welt. Sein Zwillingsbruder, Jessie Garon hatte weniger Glück; er wurde tot geboren. Elvis, benannt nach dem zweiten Vornamen seines Vaters, Vernon Elvis, bleibt das einzige Kind der Familie Presley, da seine Mutter, Gladys Love, nach der schweren Geburt keine weiteren Kinder mehr bekommen kann. Vernon und Gladys Presley leben an der Armutsgrenze und halten die kleine Familie zunächst in East Tupelo, Mississippi, mit Gelegenheitsjobs, wie u.a. Milchwagenfahrer, Farmhilfsarbeiter oder Näherin in einer Textilfabrik, über Wasser. 1937 erlebt der kleine Elvis die Festnahme seines Vaters wegen Scheckfälschung, und wie dieser 1938 zu drei Jahren Zwangsarbeit verurteilt wird. 1939 entlässt man Vernon vorzeitig aus der Haft. In diesen Jahren entsteht eine sehr enge Bindung zwischen Kind und Mutter. Freunde oder andere Kinder, mit denen das Einzelkind draußen spielen kann, gibt es nicht, denn die Mutter sorgt sich zu sehr um ihren einzigen Sohn. Die Familie ist nicht tief religiös, und dennoch ist der wöchentliche Kirchengang eine willkommene Abwechslung, denn Elvis liebt die Musik, die hier gespielt wird.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

In seinen frühesten Kindheitsjahren sammelt der Knabe, bedingt durch die Teilnahme im Kirchenchor der Fundamental Assembly of God, seine ersten Gesangserfahrungen, welche insbesondere vom Gospel geprägt sind. Er nutzt jede Gelegenheit, um mit seinem Gesang im Rampenlicht zu stehen. Als Zehnjähriger gewinnt Elvis den zweiten Preis im Talentwettbewerb der Mississippi-Alabama Fair and Daily Show im Heimatort. Wie die Liebe zur Musik, so besitzt er ebenso den nötigen Ehrgeiz, diese zu erzeugen, denn er erlernt sich ohne Anleitung und Notenkenntnisse selbständig die Kunst des Gitarrespielens. Die Gitarre, deren Saiten als Erste zukunftsweisende Klänge in Richtung Rock- und Popmusik des 20. Jahrhunderts von sich geben, ist eigentlich eine Art „Trostpreis“ zum 10. Geburtstag, da sich Elvis lieber ein Fahrrad oder Luftdruckgewehr von seinen Eltern gewünscht hatte – Zufall oder Schicksal? Im November 1948 ziehen die Presleys, angetrieben von der Hoffnung auf eine wirtschaftlich bessere Zukunft, nach Memphis, Tennessee, oder auch die selbsternannte „Geburtsstätte des Blues“. Umzugsbedingt tauschen sie ihr kleines Eigenheim in Form eines Holzhauses in East Tupelo gegen einen feuchten, kalten, beengten, angeschimmelten Raum mit einem Mietpreis von elf US-Dollar pro Woche ein. Das Bad ist nicht inbegriffen; sie teilen es mit drei weiteren Familien. Immerhin bekommt Vater Vernon schon nach kurzer Zeit einen Job in der Precision Tool Company in South Memphis. Zu Anfang fällt es dem zugezogenen Jungen schwer, sich in der Großstadt einzuleben. Er besucht die Humes High School in Memphis. Durch seine seltsame Kleidung und seinen Dialekt wird ihm zunächst die Rolle als Außenseiter zuteil, doch nach einiger Zeit findet das „Landei“ Freunde, die ihm bis zu seinem Tod erhalten bleiben sollen. Sein besonderes Feeling und seine Ausstrahlung wirken wie ein Magnet auf seine Mitmenschen. Elvis ist ein guter Schüler und glänzt vor allem mit seinem hervorragenden Gedächtnis. Schnell langweilt ihn das Drücken der Schulbank und so verlässt er im Jahr 1953 die High School, um sich auf Anraten des Vaters nebenbei als Kinoplatzanweiser sein eigenes erstes Geld zu verdienen, anstatt seinem Traum vom Singen hinterher zu jagen. Doch das Geld hat ja auch etwas für sich, denn damit kauft er sich schrille, bunte Hosen, Hemden, Gürtel, etc. So schafft er es, sich von der Masse abzuheben, sich selbst zu finden und das zu besitzen, was andere nicht haben. Musiker, wie Roy Acuff, Ernest Tubb, Muddy Waters oder Bukka White, beeinflussten ihn mit ihren Künsten schon in East Tupelo. Hier, in der aufstrebenden Metropole Memphis, wird die Musikszene vor allem durch Blues-Interpreten, wie B.B. King, Howlin´Wolf, Furry Lewis oder Rufus Thomas, geprägt.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Elvis verbringt viel Zeit in der „schwarzen“ Nachbarschaft und saugt in den Clubs an der Beale Street die neu vernommenen Blues-Klänge, die sein Herz höher schlagen lassen, förmlich in sich auf. Nach seinem Auftritt bei einem Schulfest erntet das Talent von ca. 1.600 begeisterten Zuschauern tobenden Beifall, was für ihn ein Beweis seines Könnens darstellt. Der mittlerweile 18-Jährige arbeitet zunächst als Elektriker bei der Precision Tool Company und danach unter anderem einige Monate lang als Lastwagenfahrer für Crown Electric. Hierbei entdeckt er wohl auch im Jahr 1953 an den Wänden der Sun Studios von Sam Phillips eine Tafel mit der Aufschrift: „Make your own records – $ 2 for 4 songs“. Mit dem eigens verdienten Geld in der Tasche stellt sich Elvis kurz entschlossen beim „Memphis Recording Service“ vor und nimmt dort seine ersten zwei Songs „That´s When Your Heartaches Begin“ und „My Happiness“ auf, welche er, angeblich als verspätetes Geburtstagsgeschenk, seiner geliebten Mutter übergibt. Dass Elvis durch die Liebe zu seiner Mutter zu diesen Aufnahmen angetrieben wurde, ist zweifelsfrei denkbar, dennoch ist es  wahrscheinlicher, dass ihn der Klang seiner eigenen Stimme interessierte und ihn wohl auch die Begeisterungsrufe des Schulfestes hierzu antrieben. Die zwei Titel wurden sehr rührselig und beinahe kitschig ins Mikrofon „gesäuselt“ – genau das sorgt bis heute für gern angewandten Spott bei den Kritikern. Dieser „Stil“ bildet allerdings von Anfang an eine der vielen, wichtigen Zutaten im Erfolgsrezept des Künstlers „Elvis Presley“. Presley hatte „Blut geleckt“ und allem Anschein nach den Spass am Gesang entdeckt, denn am 04. Januar 1954 kehrt er zurück in die Sun Studios und nimmt dort „I´ll Never Stand In Your Way“ und „Casual Love Affair“ auf. Der Studio-Inhaber, Sam Phillips, ist nicht nur ein Liebhaber und Produzent der schwarzen Musik, er ist auch gleichzeitig schon seit längerem auf der Suche nach einem weißen Künstler, der wie ein schwarzer singt, mit „dem besonderen Sound“ und vor allem einem ausgeprägten Rhythmusgefühl im Blut: „Wenn ich einen weißen Mann finden könnte, der die Stimme und das Einfühlungsvermögen eines Schwarzen hat, dann könnte ich eine Milliarde Dollar machen.“, so die Voraussage von Phillips. Als Elvis nun wieder vor dem Mikrofon steht, weckt die spezielle Klangfärbung in seiner Stimme die Aufmerksamkeit von Phillips Ohren. Der Produzent ist so begeistert, dass er das junge Talent in den kommenden Monaten mehrfach zu Aufnahmen einlädt. Im Juni 1954 treffen sich Elvis Presley, Scotty Moore und Bill Black zur ersten professionellen Aufnahmesession unter Sams Anleitung. Zunächst noch etwas uninspiriert probiert Presley verschiedene Countryballaden und gerade aktuelle Popsongs aus. In einer Pause während der Proben entsteht dann eher zufällig durch musikalisches Herumalbern der typische „Elvis-Sound“, als Moore das Gitarrenriff eines Rhythm-and-Blues-Stückes rhythmisch stark akzentuiert anspielt, Elvis diesen Offbeat aufgreift, den klassischen Bluesgesang des Originals mit vokalistischen Elementen von Gospel und Country-Musik anreichert und dabei mit kreisenden Bewegungen durch das Studio wirbelt. Inspiriert von der Kreativität seiner Musikerkollegen entwickelt Elvis aus dem Augenblick heraus eine völlig neue Art und Weise, Musik zu produzieren, die seine weitere Karriere prägte. Es gibt keine festen Regeln, keine zeitliche Einschränkung, keinerlei Einflussnahme von außen. Was einzig und allein zählt ist das richtige Feeling. Obwohl Sam Phillips von seiner Meinung über Elvis überzeugt ist, ist er, aufgrund der damaligen immer noch stark vorherrschenden Rassendiskriminierung, zunächst noch sehr skeptisch, fordert die Band jedoch auf, in genau diesem „zufälligen“ Stil weiterzumachen. Der soeben geborene Sound ist neuartig; eine neue Musikrichtung wurde kreiert und vom legendären amerikanischen Diskjockey Alan Feed kurz darauf auf den Namen „Rock´n´Roll“ getauft. Arthur Crudup´s „That´s All Right Mama“, eigentlich ein Blues-Stück, wird von Elvis vor allem rhythmisch vollkommen neu interpretiert und ist der erste, im neuen Stil aufgenommene Song.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Zunächst wird das Stück von vielen Diskjockeys umgangen und gar nicht erst aufgelegt, weil sie denken, er wird von einem Schwarzen gesungen. Letzten Endes sollte Phillips jedoch Recht behalten und sein Gefühl bezüglich des jungen Gesangstalentes sollte ihn nicht getäuscht haben. Im Juli 1954 wird die Platte schließlich zum ersten Mal auf Memphis´ Radiosender WHBQ gespielt, und noch am gleichen Abend auf Grund der zahlreichen Hörerwünsche insgesamt 15 Mal wiederholt. Einen Tag später treffen 5.000 Bestellungen der Single bei Sun Records ein. Es folgen erste kleine Konzertauftritte von Presley, Moore und Black, wobei sich ElvisThe Hillbilly Kid“ und „The King of Western Pop“ nennt. Im September kommt der zweite regionale Hit mit „Good Rockin´Tonight“ und im Oktober findet der erste und einzige Auftritt bei der „Grand Ol´Opry“, einer Kultsendung für Country-Musik, statt. Was für ein erfolgreiches und überwältigendes Jahr für den jungen Mann aus Memphis. Die Begeisterung über diesen Erfolg muss für die gesamte Familie Presley unendlich und unbeschreiblich gewesen sein. Doch das ist nur ein kleiner Anfang. Im darauf folgenden Jahr wählen die amerikanischen Diskjockeys Elvis bereits zum vielversprechendsten Country & Western-Künstler der USA. Scotty Moore wird von Bob Neal als neuer Manager ersetzt und die Band wächst um den Schlagzeuger D.J. Fontana. In den insgesamt 160 Konzerten des Jahres 1955 entwickelt der Newcomer seinen eigenen Rock´n´Roll-Stil und seine unnachahmliche Rhythm-and-Blues-Stimme. „Mit meiner Stimme an sich hat das gar nicht so viel zu tun“, erklärte sich Elvis später seinen Erfolg, „sondern vielmehr mit der Art, wie ich sie einsetze.“ Bei diesem einzigartigen Stil kommen all die musikalischen Eindrücke aus seiner Kindheit zum Vorschein. Die so oft gehörte Country- und Popmusik aus dem Radio, die schwarze und weiße Gospel-Musik in den Kirchen aus der Nachbarschaft, der Blues aus der Beale Street und auch die Mario-Lanza-Platten seiner Mutter. All diese Einflüsse verschmolzen nun zu einem eigenen Stil, der so viele musikalische Facetten vereint, dass es unmöglich scheint, diesen in eine Schublade zu stecken. Dieser, SEIN Stil, ist bis heute unerreichbar und kein Künstler hat es bisher geschafft, ihn zu kopieren. Elvis macht sich daran die amerikanische Musikszene nachhaltig zu verändern. Veränderungen brauchen ihre Zeit und finden nicht überall sofort Anklang. So kritisiert die Fachzeitschrift „Variety“ im Februar 1955 die „schmutzigen“ Texte des Rock´n´Roll und fordert die Industrie zur Selbstzensur auf. Hiervon unbeeindruckt folgen die nächsten Hits, wie „Milk Cow Blues“, „You´re A Heartbreaker“ sowie „Baby, Let´s Play House“. Die mit Leidenschaft und Hingabe vollbrachte Arbeit beginnt, lukrative Früchte hervorzubringen. Gegen Ende des Jahres kauft der holländische, illegale Immigrant, Colonel Thomas Andrew Parker, Elvis Presley für gerade mal 35.000 US-Dollar aus seinem Vertrag mit Sam Phillips heraus und verschafft ihm hierauf sofort einen weitaus ertragsreicheren mit dem größten amerikanischen Plattenkonzern, dem Branchenriesen Radio Corporation of America (RCA). Der clevere und geschäftstüchtige Manager sichert sich einen 25 %-igen Anteil an den Einkünften und der Sänger seinerseits tauscht seinen ersten Vorschuss aus dem RCA-Deal in Höhe von 5.000 US-Dollar gegen einen rosa Cadillac als Geschenk an seine Mutter. Die Aufnahmen der ersten Songs für RCA, darunter „I Got A Woman“, „I Was The One“ und „Heartbreak Hotel“ (seine erste Nr. 1 in den Billboard-Single-Charts) finden in Nashville statt. Von dem letzteren Song werden allein in den ersten drei Wochen über 300.000 Platten verkauft, was dem Sänger seine erste Goldene Schallplatte einbringt. Der Song „Mystery Train“ erringt Platz Nr. 1 in den Country-Charts. Seit 1954 verkauften sich weltweit insgesamt weit über eine Milliarde Schallplatten von Elvis Presley. Anfang 1956 setzt zunächst in den USA, kurze Zeit später auch in Westeuropa, ein regelrechter Personenkult und eine unvergleichliche Massenhysterie um seine Person ein. Junge Männer aus ganz USA wollen so aussehen, wie die neue Kultfigur. Seinen Platz als Identifikationsfigur für Millionen von Teenagern nimmt Elvis Ende Januar 1956 nach seinem fulminanten Fernsehauftritt in der „Tommy and Jimmy Dorsey Stage Show“ auf CBS ein. Ein Auftritt, der die Geschichte des Rock´n´Roll verändert, denn dieser Mann personifiziert den Rock´n´Roll.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Im Gegensatz zu einem Sänger wie Bill Haley schien Elvis laut, aggressiv und sexy. „Elvis the Pelvis“ („Elvis, das Becken“) ist geboren. Seinen aufreizenden Hüftbewegungen kann sich kein weibliches Auge entziehen. Mit einem einzigen legendären Schwung aus seiner Hüfte bringt er die Mädchen zum ausrasten, sie sind komplett aus dem Häuschen und fallen buchstäblich reihenweise um. Die rhythmische bis ekstatische Art, wie er seinen Körper zur Musik, gelegentlich auch mit einer Portion Selbstironie, bewegt, ist dem weißen Mainstream-Publikum bis dato völlig unbekannt. Viele Eltern können im konservativen Klima in den USA der 50er Jahre hierfür (sowie auch für seine feminin anmutende Garderobe) kein Verständnis aufbringen. Allen voran die Kirche fürchtet einen generellen Sittenverfall; die Moral und ethischen Werte sind bei der fanatisierten Jugend in Gefahr. Ein großer Teil der amerikanischen Presse verteufelt den Sänger auf Grund dessen u.a. als „Botschafter des schlechten Geschmacks“, „sexuellen Freibeuter“ oder gar „musikalischen Abschaum“ und heizt damit die Stimmung zusätzlich an. In manchen Bundesstaaten wird ihm von der Polizei, ganz zum Schutze der gefährdeten Jugend, unter Androhung von Strafen sogar verboten, mit der mittleren Körperpartie rhythmisch zum Takte der Musik zu schwingen. Für Eltern, Kirche und Moralapostel sind seine subtil-erotischen Shows schlichtweg vulgär und eine Gefahr für ihre Kinder. Diese jedoch glauben an die Ankunft ihres neuen Messias am Musikhimmel. Im Gegensatz zu manchen Rockstars nach ihm, die noch wesentlich spektakulärere „Dinge“ auf der Bühne darboten oder präsentierten, wollte Elvis mit seinen Bewegungen nie einen öffentlichen Skandal provozieren. Vielmehr waren sie ein Ausdruck seiner musikalischen Emotionen, wie auch Scotty Moore später bestätigte: „Das war der Moment, in dem er mit dieser Schüttelei anfing. Elvis stellte sich beim Gitarrespielen auf die Fußballen, um im Takt zu bleiben. Als er nun diese Show machte, fingen sie alle an zu schreien, und wir wussten gar nicht, was vor sich ging. Als wir wieder von der Bühne gingen, meinte Jemand, das liege nur daran, dass Elvis andauernd sein Bein geschüttelt hat. Von da an machte er das immer mehr und entwickelte daraus eine richtige Kunst. Aber es war ihm auch ein natürliches Bedürfnis.“ Kein anderer Star der früheren Jahre, wie beispielsweise Bing Crosby, Perry Como oder auch Dean Martin, wurde von der Jugend so hingabevoll verehrt, wie Elvis Presley. Sein Charisma und seine persönliche Ausstrahlung konnten auch in der Folgezeit von keinem einzelnen Musiker je wieder erreicht werden. Der Durchbruch in den USA ist ihm gelungen. In der Ed Sullivan-Show, damals die bekannteste Musiksendung im US-Fernsehen, erreicht der Star eine landesweite Rekord-Einschaltquote von 80 %, schätzungsweise 56 Millionen Zuschauer, und das, obwohl er wegen seiner anstößigen Bewegungen von den Kameras nur von der Hüfte an aufwärts in die Wohnzimmer der hyperventilierenden, hysterischen Mädchen übertragen wird. Im Vorfeld hatte sich Ed Sullivan monatelang geweigert, Elvis ins Programm zu nehmen, musste sich aber letztendlich doch dem Ansturm der amerikanischen Jugend beugen, die ihn mit Briefen „bombardierte“ und androhte, fortan seine Sendung zu boykottieren, was sich Sullivan natürlich auf Grund der enormen Auswirkungen auf die Werbeeinnahmen nicht leisten konnte. Dank dieser TV-Auftritte verkauft sich der Hit „Heartbreak Hotel“ weltweit über 7 Millionen Mal; in Deutschland steigt der Song auf Platz 12. Der erfolgreiche Manager Colonel Parker denkt schon einige Schritte weiter, als er Paramount Pictures in Hollywood davon überzeugt, Elvis einen Vertrag für drei Kinofilme mit 7 Jahren Laufzeit zu geben. Außerdem werden rasch neue Singles auf den Markt gebracht, darunter „I Want You, I Need You, I Love You“, „Hound Dog“ und „Don´t Be Cruel“. Die fast endlose Serie an Hits setzt sich mit Liedern wie „Love Me Tender“, „Love Me“, „Too Much“, „All Shook Up“ oder „Jailhouse Rock“ fort und Elvis dominiert die Charts mit Balladen und Rock´n´Roll-Tanznummern. Im Laufe des Jahres 1956 gibt Presley insgesamt über 110 Konzerte und zieht im Mai mit seiner Familie in ein von ihm gekauftes Haus in Memphis. Im August beginnen die Dreharbeiten zu Presleys erstem von insgesamt 33 Spielfilmen mit dem Titel „Love Me Tender“, während der 26. September von seinem Geburtsort East Tupelo offiziell zum „Elvis-Presley-Tag“ ernannt wird. Im Dezember kehrt Elvis aus Las Vegas nach Memphis zurück und stattet dort den Sun-Studios, dem Ort, wo alles begann, einen Besuch ab.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Spontan findet hier eine letzte, inoffizielle Session, genannt „Sun Session“, statt. Diese hätte formal nicht zustande kommen dürfen, da Presley ja schließlich bei RCA Records unter Vertrag ist. Doch wo er schon einmal anwesend ist, setzt er sich ans Klavier und beginnt, verschiedene Stücke zu spielen. Vor Ort sind ebenfalls Carl Perkins, Jerry Lee Lewis und später auch Johnny Cash, welche den Überraschungsgast ohne Zögern musikalisch sofort begleiten. Sam Phillips lässt die Bänder mitlaufen, während die vier Musiker Stücke aller Genres, von Gospel, wie „Softly And Tenderly“ und „Lonesome Valley“, über Country- und Bluegrass-Songs, wie „You´re The Only Star In My Blue Heaven“ und „Sweetheart You Done Me Wrong“, bis zu Pop-Titeln, wie Presleys frühe Aufnahmen, „My Happiness“ und „That´s When Your Heartaches Begin“, zum Besten geben. Die Bänder dieser Session, genannt „The Million Dollar Quartett“, verschwanden für mehrere Jahrzehnte und wurden erst in den 1970er Jahren in den Regalen der Sun-Studios wieder gefunden. Ein erfolgreiches Jahr geht zu Ende und ein nicht minder erfolgreiches neues Jahr beginnt, und zwar zunächst mit der Tauglichkeitsuntersuchung zum Wehrdienst. Der nunmehr 22-Jährige absolviert während des gesamten Jahres lediglich 33 Konzerte. Trotz des neuen Ruhmes bleibt Memphis sein Zuhause und nur hier fühlt er sich wohl; nur hier möchte er seine freie Zeit verbringen. Die gesamte Familie ist nun allerdings zu bekannt, um ein normales, unbefangenes Leben zu führen. Im März kauft Elvis daher die ehemalige Kirche „Graceland“ in Whitehaven bei Memphis und macht daraus ein ansehnliches, gemütliches Eigenheim mit 24 Zimmern. Zu seinen Lebzeiten – wie auch heute – wird das wunderschöne, riesige Anwesen zu einer Pilgerstätte für die Fans. Im Juli feiert sein Film „Loving You“ Premiere; gefolgt vom Film „Jailhouse Rock“ im Oktober. Im Dezember 1957 erhält der Künstler schließlich die Einberufung zum Militärdienst, wo er am 24. März 1958, mitten auf dem Höhepunkt seiner Popularität, einzurücken hat. Die meisten Bürger der USA sind überrascht darüber, dass ihr großer Star als normaler Rekrut zur Armee geht – mal ganz abgesehen von der bevorstehenden Änderung von der „Tollen“ Frisur in einen 65-Cent Haarschnitt, was Elvis selbst jedoch mit Fassung und Witz über sich ergehen lässt. Leicht hätte Presley diesen Gang überspringen können, doch er ist ein Patriot und sieht es als seine selbstverständliche Pflicht an, diesen Dienst anzutreten. Der Stratege Colonel Parker startet daraufhin eine bis dahin beispiellose PR-Kampagne, um sicherzustellen, dass sein Schützling auch während seinem 17-monatigen Militärdienst im fernen, deutschen Friedberg in den Medien der USA bleibt. Die Strategie geht auf, denn durch die regelmäßige Erscheinung neuer Singles, darunter „Hard Headed Woman“, „I Beg You“, „Wear My Ring Around Your Neck“, „One Night“, „I Got Stung“,  „A Fool Such As I“ und  „A Big Hunk Of Love“, ebbt das Interesse am Sänger bis zu dessen Rückkehr nach Amerika nicht ab. Nach seiner Einberufung erscheint im Juli sein Film „King Creole“, welcher zusammen mit dem Soundtrack-Album ein Riesenerfolg wird. Sein bisheriges Leben hätte nicht besser sein können, alles verläuft wie im Traum. Aus diesem wird Elvis jedoch am 14. August 1958 jäh gerissen, als seine über alles geliebte Mutter in Memphis stirbt. Gladys Presley war wohl die bedeutendste Frau im Leben von Elvis. Ihre Bindung ist bereits seit der schweren, komplizierten Geburt sehr eng. Das einzige Kind wurde zum Lebensmittelpunkt der Mutter. Für ihn gab sie ihren Job auf, um ihren Jungen nach Strich und Faden zu verwöhnen und die Sorge, dass ihm etwas zustoßen könnte, war so groß, dass sie ihm während seiner Kindheit und Jugend kaum Freiheiten zugestand. Als absolutes Vorbild kopierte der kleine Sprössling allerdings die eine oder andere Angewohnheit der Mutter in der Annahme, dass alles, was diese tat, richtig sei. Ein verhängnisvoller Fehler dabei war jedoch, dass sie eine Angewohnheit besaß, die für ihren Sohn später selber tödlich enden sollte, denn Gladys schluckte gegen jedes noch so kleine „Wehwehchen“ allerlei Tabletten. Elvis erfährt während seiner Armeezeit vom schlechten Gesundheitszustand seiner Mutter und verbringt von dort an jede freie Minute an ihrem Bett. Als er sich irgendwann entkräftet und müde zurückzieht, um selber ein wenig Schlaf nachzuholen, stirbt Gladys schließlich. Es wurde zwar nie offiziell bestätigt, dennoch wird angenommen, dass die noch sehr junge Mutter an den Folgen ihrer Tablettensucht starb. Für Elvis bricht seine bis zu diesem Moment unbeschädigte Traumwelt in einem Augenblick wie ein Kartenhaus zusammen. „.. sie war alles, was ich hatte. Ich habe alles verloren.“, so seine Worte. Vom 01. Oktober 1958 bis 02. März 1960 ist der Halbwaise schließlich in Friedberg (Hessen) stationiert. Während dieser Zeit ist zunächst die Villa Grunewald in Bad Nauheim sein Zuhause; die letzten zwölf Monate lebt er, zusammen mit seinem Vater, seiner Großmutter und Freunden aus Memphis, in einem gemieteten Bad Nauheimer Privathaus in der Goethestraße 14. Auch hier, fern von der Heimat, passt sich der international bekannte Soldat seiner Umwelt an. Deutschland war sicherlich in vielerlei Hinsicht bedeutungsvoll für den Weltstar. Hier sammelt er, bedingt durch den Dienst in der Armee, neue Eindrücke und lernt andere Welten kennen.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Später sagte Elvis einmal, dass er hier das erste Mal die Gelegenheit hatte, die Denkweise anderer Menschen kennen zu lernen. Außerdem hatte Presley deutsche Vorfahren. In den 1990er Jahren fanden Ahnenforscher heraus, dass der südpfälzische Winzer Valentin Pressler aus Hochstadt, der um 1700 nach Amerika auswanderte, sein Urahn ist. Allerdings hatte Elvis ebenfalls indianische Vorfahren mütterlicherseits. Eine davon war „Morning White Dove“ eine Cherokee-Indianerin. Sie heiratete 1818 den Siedler William Mansell. Deren Nachfahre Robert Smith (1873-1931) war der Sohn von White Mansells Schwester Ann. Sie hatten zusammen 8 Kinder, unter ihnen Gladys Love Smith – die Mutter von Elvis. Dies sollte Elvis unter dem Management von Colonel Tom Parker, genannt „The General“ niemals in der Öffentlichkeit erwähnen, um seinen Ruf nicht zu gefährden. Doch viel bedeutungsvoller in seinem Leben ist wohl die erste Begegnung mit einer gewissen Priscilla Beaulieu, die 14-jährige Tochter des Air-Force-Captain Paul Beaulieu, im September 1959 in Wiesbaden. Einst wurde dem Frauenschwarm die Frage gestellt, welchen Mädchentyp er bevorzugen würde. Er antwortete: „Es sollte ein weibliches Wesen sein, Sir. Mir gefallen viele verschiedene Typen. Ich werde es wahrscheinlich wissen, wenn ich mal eine finde, in die ich mich richtig verliebe.“ Während eines privaten Treffens im Hause des Captain sollte es der junge Mann beim Anblick der Soldatentochter erfahren – es ist Liebe auf den ersten Blick. Am 01. März 1960 verlässt Presley Deutschland und wird vier Tage später aus dem Militärdienst verabschiedet. Nach seiner Rückkehr sprechen die Menschen darüber, wie sehr sich der King verändert habe, er sei ruhiger und nachdenklicher geworden, was wohl mit dem Tod seiner Mutter, den neuen Erkenntnissen über das Zusammenleben mit anderen Menschen oder vielleicht auch mit seiner neuen Flamme zu tun gehabt haben könnte. Kaum in den USA angekommen, vergeudet er keine Zeit und so kommt einige Monate später, im Sommer 1960, seine englische Version der italienischen Schnulze „O Sole Mio“ unter dem Titel „It´s Now Or Never“ auf den Markt, wo sie es auf Platz 1 in den USA und im UK schafft; in Deutschland klettert die Platte bis auf Platz 2; weltweit verkauft sie sich über unglaubliche 9 Millionen Mal. Im April erscheint die LP „Elvis is Back!“ und im Dezember schließlich die Gospel-LP „His Hand In Mine“. Wieder einmal setzt der Heimkehrer neue Maßstäbe und neue Standards im Showbusiness. Für seinen Auftritt am 26. März in der von Frank Sinatra (der den Rock´n´Roll-Star früher noch vernichtend kritisierte) moderierten Fernsehshow „Welcome Home, Elvis“ erhält Presley die selbst heute noch stolze Summe von 125.000 US-Dollar. Das bleibt bis dato die höchste Gage, die je ein Künstler für einen Fernsehauftritt bekam. Obwohl der Star gleich nach seiner Armeezeit wieder mit einem vollen Terminkalender zu kämpfen hat, quält ihn dennoch die nahezu unerträgliche Sehnsucht zu dem jungen Mädchen aus Deutschland. Zwar blieben die Beiden in Kontakt und telefonieren regelmässig, doch Elvis will seine Angebetete bei sich haben und bittet somit Priscillas Vater, dass diese ihn über Weihnachten besuchen dürfe. Dee, die neue Frau an der Seite seines Vaters, ist es schliesslich, die Priscillas Vater zu dem Besuch seiner Tochter in Graceland überreden kann. Captain Beaulieu zögert zunächst vor allem wegen der Tatsache, dass seine Tochter erst 15 Jahre alt ist; zusätzlich mag er aber wohl auch die Klatschspalten der Presse gefürchtet haben. Die Verliebten jedoch interessiert dies nicht. Das Pärchen verbringt die Weihnachtsfeiertage gemeinsam auf Graceland und geniesst die Zweisamkeit – im Rahmen der Möglichkeiten. Doch auch die schönste Zeit geht einmal zu Ende und als Priscilla wieder nach Deutschland reist, geht für den Superstar eine Welt unter. Mit Unterstützung seines Vaters und seiner Stiefmutter redet er solange auf den Captain ein, bis es dieser schließlich erlaubt, dass seine junge Tochter nach Memphis zieht und dort die High School beendet. Sie sind fest entschlossen, den ewigen Bund der Ehe einzugehen, sobald sie 17 oder 18 Jahre alt ist. Auch wenn es die Presse als skandalträchtig hinstellt, dass ein junges Mädchen wie zu alten Zeiten einem Mann versprochen wird, kommt dies bei den Verliebten nicht an – sie lieben einander und einzig das zählt. Mag es die „rosarote“ Brille oder die Jugend gewesen sein – Priscilla wehrt sich nicht dagegen, sich von ihrem Geliebten zu dem umformen zu lassen, was er unter einer perfekten Frau versteht. Er ist ihr Lehrmeister, lehrt sie, sich zu kleiden, zu schminken, zu gehen, mit ihm zu leben und ihn zu lieben. „Er war fast wie der liebe Gott für mich!“, gestand Priscilla später einmal. So ist er also, der große, liebende, dominante „Mann“ Elvis Presley – und das noch vor der Hochzeit! In dieser Zeit werden die Singles des Sängers allesamt Hits, darunter „Are You Lonesome Tonight?“, „Wooden Heart“, basierend auf einem deutschen Volkslied (in Deutschland Platz 2), „Surrender“, „His Latest Flame“, „Can´t Help Falling In Love“, „Good Luck Charm“, „Return To Sender“. 1961 verkündet Colonel Parker die für alle Fans schmerzliche Nachricht, dass Elvis nicht mehr auf Tournee gehen werde; das ist auch tatsächlich nach seinem letzten Live-Auftritt im März 1961 acht darauf folgende, lange Jahre der Fall. Doch der Künstler bleibt von da an nicht untätig. Statt der Musik soll nun die Schauspielerei seine Hauptbeschäftigung sein. Mit Filmen, wie „Blue Hawaii“ (Premiere bereits im November 1961) und „Fun in Acapulco“, beginnt der King seine Film-Karriere. Es sollen tatsächlich 33 Filme werden, 21 davon allein in den Jahren 1961 bis 1968.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Hits gibt es trotz allem nach wie vor, nur dass diese nun zumeist aus den Kinofilmen stammen: „(You´re The) Devil in Disguise“ und „Crying In The Chapel“. Elvis verkörpert zumeist den charmanten, schnippischen Frauenheld, den „Good-Boy“. Ihm werden viele Affären nachgesagt, unter anderem mit der Schauspielerin Ann-Margret. Doch der King besitzt auch einen sozialen, caritativen Kern. Im Januar 1964 erwirbt er für 550.000 US-Dollar die Hochseeyacht USS Potomac, die einst dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt gehörte, und schenkt diese einem Kinderkrankenhaus. Im März 1965 knallen die Champagner-Korken, denn Colonel Parker und sein „Schützling“ feiern das 10-jährige Bestehen ihrer mehr als erfolgreichen Zusammenarbeit. In diesen 10 Jahren haben die Beiden nach Schätzungen 150 Millionen US-Dollar mit 100 Millionen verkauften Platten sowie 135 Millionen US-Dollar mit den Filmen verdient. Im Sommermonat August besuchen die ebenfalls erfolgreichen Kollegen „The Beatles“ ihr Idol in dessen Hollywood-Villa. Mit gerade mal 30 Jahren hat das junge Talent aus Memphis bereits alles erreicht. Welcher noch unerfüllte Traum könnte wohl noch auf seiner Wunschliste stehen? Ein großer ist noch unerfüllt und macht sich im Jahr 1967 daran, in Erfüllung zu gehen. Es ist nicht alleine der Traum von Elvis; auch seine grosse Liebe, Priscilla, träumt ihn. Am 01. Mai 1967 ist es endlich soweit: Priscilla Beaulieu kann sich von nun an Priscilla Presley nennen. Die Feier findet im Aladin Hotel in Las Vegas statt. Das junge Ehepaar schwebt auf Wolken, während für Millionen von weiblichen Fans gerade in diesem Moment die Welt im tiefsten Erdreich versinkt. Exakt neun Monate nach Eheschließung macht die Geburt der kleinen Lisa-Marie am 01. Februar 1968 das Glück von Elvis und Priscilla perfekt. Viele Jahre später wird auch Lisa-Marie mit ihrer bizarren, kurzen Ehezeit mit Michael Jackson Schlagzeilen machen. Papa Elvis dreht weiterhin einen Film nach dem anderen. 1968 ist er in „Stay Away Joe“, „Speedway“ und „Live A Little, Love A Little“ zu sehen. Am 03. Dezember 1968 gelingt dem King mit den in einer Fernsehshow ausgestrahlten Aufnahmen vom Juni zum NBC-TV Special in Burbank ein glänzendes Comeback als Live-Entertainer, welches gleichzeitig den Wechsel vom musikalischen Rebellen zum etablierten, von der breiten Masse anerkannten „All American Boy“ markiert. In den 1960er-Jahren galt des Künstlers Hauptaugenmerk dem Film. Anfang 1969 nimmt er in den American Sound Studios unter dem Produzenten Chips Moman erstmals wieder Songs auf – in seiner Heimatstadt Memphis. Die 21 weitgehend auf seinem Album „From Elvis To Memphis“ veröffentlichten Songs beinhalten unter anderem den Welt-Hit „In The Ghetto“, der sich in Deutschland, Grossbritannien und den USA zur Nummer Eins verwandelt. Eine Serie weiterer Singles folgt, darunter „The Wonder Of You“ und der weltweite Hit „Suspicious Minds“. Elvis gelangt nach acht Jahren Nummer-1-Hit-Flaute endlich wieder an die Spitze der Charts. Die Auftritts-Pause ist beendet. In den Monaten Juli/August gibt er sein Comeback-Engagement in Las Vegas mit insgesamt 57 Auftritten. Der November 1969 bringt die Veröffentlichung der LP „From Memphis To Vegas/From Vegas To Memphis“, sowie die Premiere seines letzten Spielfilms „Change of Habit“. Das Jahr 1970 zeichnet sich in seiner grandiosen Karriere mit seinen 138 Konzerten, davon 114 in Las Vegas, sowie der Auszeichnung als einer der „zehn herausragenden jungen Männer Amerikas“, neben Wissenschaftlern und Menschenrechtlern, durch die Junior-Handelskammer (Jaycee) der USA, aus. Ende 1970, im November, wird die Premiere des Dokumentarfilmes „Elvis-That´s The Way It Is“ gefeiert. Einen Monat später, im Dezember, kommt es zu einem Zusammentreffen mit Präsident Richard M. Nixon im Weißen Haus, Washington, welcher ihn zu einem Agenten der Rauschgiftfahndungsbehörde der USA ernennt. Im Jahr 1971 gibt der King 155 Konzerte, davon 114 in Las Vegas; die LP „I´m 10.000 Years Old, Elvis Country“ wird veröffentlicht; Presleys Geburtshaus in Tupelo wird im Juni zur Gedenkstätte ernannt. Das Jahr 1972 wartet mit einem weiteren, einschneidenden Erlebnis in dem prachtvollen Leben des King auf. Insgesamt tritt Elvis 155 Mal auf, davon 120 Mal in Las Vegas. Gleich zu Beginn des Jahres, im Januar, wird der südliche Abschnitt vom Bellevue Boulevard in Memphis (Highway 51), der an Graceland vorbeiführt, in „Elvis Presley Boulevard“ umbenannt. Privat scheint sich der Sonnenschein aus dem Familienleben von Elvis und Priscilla zu verabschieden und in tristes Regenwetter zu verwandeln, als nach Jahren der Ehe herauskommt, dass Priscilla eine Affäre hatte. Das Traumpaar trennt sich im Februar 1972; die Scheidung folgt kurz darauf im Jahr 1973. Priscilla erhält eine einmalige Abfindung von 5 Millionen US-Dollar sowie einen monatlichen Scheck von 25.000 US-Dollar für den Unterhalt der Tochter Lisa-Marie. Außerdem macht auch sie sich als Schauspielerin mehr oder weniger einen Namen, unter anderem in der TV-Soap „Dallas“ sowie in Komödien wie „Naked Gun“ mit Leslie Nielsen. Über seine Ex-Frau verliert Elvis nur Schlechtes und es vergeht einige Zeit, bis die Freundschaft zwischen ihnen wiederhergestellt ist. Mit Priscilla verliert der Superstar die zweite Person, die in seinem Leben eine tragende Rolle spielte und für ihn von großer Bedeutung war.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Wieder steht er innerlich leer und unerfüllt da und wird es für den Rest seines Lebens auch bleiben. Was Elvis in der Folgezeit privat bleibt, sind Gerüchte über seine Fettsucht, Drogenmissbrauch, Depressionen und Tablettensucht. Dieses Jahr ist auch das Jahr seines letzten Top-20-Hits in den USA und Grossbritannien zu Lebzeiten: „Burning Love“ (in Deutschland allerdings Platz 31). Unter den Hits jener Zeit ist auch der Song „Always On My Mind“. Nach dem Konzertmarathon der vergangenen Jahre kommt es am 14. Januar 1973 zu einem weiteren Höhepunkt seines Lebens. Angeblich ein Drittel der Weltbevölkerung verfolgt die TV-Live-Übertragung per Satellit der Elvis-Show „Aloha From Hawaii“. Das bedeutet, dass über eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt dieses Konzert erstmals weltweit live miterleben konnten. Dieses Live-Konzert lockte mehr Zuschauer vor den Fernseher, als vier Jahre zuvor die erste Mondlandung. Der vom Erfolg Verwöhnte versucht, seine innere Leere auszugleichen. Daher sieht seine finanzielle Situation auf Grund seiner verschwenderischen Großzügigkeit alles andere als rosig aus. Ein Großteil seiner musikalischen Rechte geht für weit unterbewertete 5,5 Millionen US-Dollar an RCA. Für den Künstler selber bleiben, nach Abzug des Manager-Gehalts und der Steuern, gerade einmal 900.000 US-Dollar. Ein weiterer Fehler aus der Vergangenheit, die 1967 vollzogene Unterzeichnung eines Vertrages, der dem Manager die Hälfte aller Einnahmen billigt, fällt jetzt zuzüglich erheblich ins Gewicht. Menschlich lässt er sich ebenfalls gehen. Nach seiner Scheidung zieht der King die Einsamkeit vor; er zieht sich mehr und mehr nach Graceland, in einsame Villen oder Hotelsuiten zurück. Die Live-Auftritte werden schwächer, sein Gewicht stärker; teilweise beträgt es stolze 250 Pfund. Wie bereits seine geliebte Mutter, so greift auch Elvis vermehrt nach Pillen, welche er sich von mehreren Ärzten gleichzeitig verschreiben lässt. Er ist süchtig nach den Tabletten, die ihm längst nicht mehr nur zur Entspannung dienen. Der King ist außerdem drogenabhängig – angefangen von Cannabis bis hin zu härteren Drogen. Seine große Bekanntheit liegt nun wie ein Fluch auf ihm, denn sie hindert ihn daran, anonym eine Drogenberatung aufzusuchen. Elvis hat niemanden, mit dem er offen – von Mensch zu Mensch – über seine Probleme sprechen kann. Die einzigen, mit denen er ehrlich über alles hätte sprechen können, seine Mutter Gladys sowie Priscilla, hat er verloren und so führt er einsam in tiefsten Depressionen Selbstgespräche. Mehr und mehr Shows müssen auf Grund des schlechten gesundheitlichen Zustands abgesagt werden. Die Bühnenauftritte, die Elvis einst so sehr liebte, werden zum Desaster. In weißen – viel zu engen – Glitzeranzügen tritt er schweißgebadet vor seinem gealterten Publikum auf und besitzt kaum mehr Kraft, diese zu überstehen. Auch seine Songs überstehen kaum die Show, denn Elvis beherrscht seine eigenen Texte kaum mehr. Die Öffentlichkeit nimmt nun Notiz hiervon; aus Gerüchten wird eine traurige Bestätigung. Nachdem im Mai 1975 die LP „From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee“ erscheint, begibt sich der einstige Traum aller Frauen ins Mid-South-Hospital, Memphis, um dort ein Face-Lifting vorzunehmen. Der 08. Januar 1974 wird von Gouverneur Jimmy Carter zum „Elvis-Presley-Tag“ in Georgia proklamiert. Trotz der schwierigen Zeit folgt am 31. Dezember 1975 im Sportstadion (Silverdome) von Pontiac, Michigan, das letzte große Konzert-Highlight mit der für ihn größten Zuschauerkulisse von 60.000 Zuschauern. Im Oktober 1976 dann Studioaufnahmen im sogenannten „Jungle Room“ in Graceland. Die letzte Aufnahme macht Elvis im April 1977 nach einem Konzert in Saginaw, Michigan. Eine geplante Session in Nashville fand wohl auf Grund seiner gesundheitlichen Probleme nicht mehr statt. Im Gegensatz zu früheren Konzerten absolviert der King im Jahr 1977 gerade einmal 56 Auftritte. Es ist unklar, ob Elvis bereits die tatsächliche Schwere seines Gesundheitszustandes vorahnte, als er im März 1977 sein Testament notariell beglaubigen lässt oder ob ein Krankenhaus-Aufenthalt jener Tage ihn vorwarnte. Zur Haupterbin des Gesamtnachlasses von ca. 4,3 Milliarden US-Dollar ist seine Tochter Lisa Marie Presley bestimmt. Das Konzert am 29. April 1977 in Baltimore muss wegen der schlechten Verfassung des Haupt-Acts unterbrochen werden. Die anwesenden Zuschauer seines Konzertes am 26. Juni 1977 in der Market Square Arena in Indianapolis sind es, die ihren King (und den der ganzen Welt) das letzte Mal (unwissentlich) live miterleben.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Im Juli erscheint die letzte LP „Moody Blue“; am 01. August schildern drei ehemalige Leibwächter in ihrem Buch „Elvis – What Happened?“ dessen Drogenabhängigkeit. Elvis Presley ist gerade einmal 42 Jahre alt, als er am 16. August 1977 um ca. 14 Uhr von seiner damaligen Freundin Ginger Alden, gemäss ihren Angaben, leblos am Boden seines Badezimmers in Graceland aufgefunden wird. Im Baptist-Memorial-Hospital wird er um 14:43 Uhr nach mehreren Wiederbelebungsversuchen offiziell für tot erklärt. Die Todesursache lautet „Herzstillstand durch zentrales Versagen der Atemorgane“, oder auch „cardiac arrhythmia“ – ein Euphemismus für seinen jahrelangen Medikamentenmissbrauch, der zusammen mit seinem ungesunden Lebensstil zu seinem frühen Tod führte. Zum Zeitpunkt seines Todes nennt er trotz Plattenverkäufen im dreistelligen Millionenbereich an Vermögen gerade einmal sein Haus Graceland und 1,2 Millionen US-Dollar auf seinem Girokonto, um die laufenden Kosten zu decken, sein Eigen. Einer der Ärzte, der Elvis immer wieder mit verschriebenen Medikamenten versorgte, sein Leibarzt Dr. Nichopoulos, wurde später von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Die Nachricht, die sich wie lähmendes Gift in die Herzen seiner Fans bohrt, lautet „Der King ist tot!“. Am 18. August 1977 wird Elvis Aron Presley in Begleitung von 80.000 Fans auf dem Forrest-Hill-Friedhof in Memphis bestattet. Im Oktober, dem Monat, in dem postume die Veröffentlichung der LP „Elvis in Concert“ folgt, werden die Särge von Elvis und Gladys Presley nach Graceland überführt. Die Nachwelt ist wie versteinert; der Glaube daran, dass der King nicht mehr unter den Lebenden weilt, will sich bis heute nicht einstellen. So ist es mit den Legenden; sie sterben nie. Die Gerüchteküche beginnt zu brodeln. Der Wunsch und die Sehnsucht an die Weiterexistenz sind größer, als die Fähigkeit, der schmerzlichen Tatsache ins Auge zu blicken. Die Argumente, die Presleys Tod widerlegen sollen, sind fadenscheinig bis absolut absurd. So bringt allein die Tatsache, dass der Name Elvis Aaron Presley, also der Zweitname mit einem Doppel-A am Anfang geschrieben, seinen Grabstein ziert, viele Menschen zu der Überzeugung, dass Elvis noch am Leben sein muss. Dies alles wird noch durch eine Anzahl von verschiedenen Autoren geschürt, die behaupten, auf Sachverhalte gestoßen zu sein, die Zweifel am Tod des „King of Rock´n´Roll“ zulassen. Darunter sind unter anderem Schlussfolgerungen, wie z.B. diejenige, dass Elvis mehr oder weniger das freiwillige Opfer eines Kronzeugenschutzprogrammes des FBI geworden sei; er soll wegen einer Aussage gegen eine führende Mafiafamilie Opfer der Ermittlungen geworden sein; und dann sind da auch noch die zahlreichen angeblichen Sichtungen von Elvis nach seinem Tod an verschiedenen Orten dieser Welt – die sogenannten „Elvis Sightings“. Alle vorgebrachten Märchen, Legenden, Thesen und Theorien konnten bis heute nie durch glaubhafte Fakten belegt werden. Nahestehende Personen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis des King haben immer wieder auf den Unsinn der Behauptungen hingewiesen. Auch der Superstar bestand nur aus Wasser und Blut; sein Körper mag beweglicher, talentierter und schöner als manch anderer gewesen sein, dennoch war auch dieser bestimmten Grenzen unterworfen, die dem Lebensstil seines Inhabers irgendwann nicht mehr gewachsen waren. Die Gerüchte um sein eventuelles Weiterleben sind zum Glück nicht das Einzige, was von Elvis geblieben ist.


Elvis Presley – vom Platzanweiser zum erfolgreichsten Sänger seiner Zeit- heute wäre er 75 Jahre alt geworden

Der einstige Außenseiter mit dem seltsamen Dialekt ist eine Legende, ein Vorreiter und eine Symbolfigur unserer Zeit. Er zeigte die Möglichkeit, sich seinen eigenen Musikstil zu kreieren, um ein eigenes Lebensgefühl auszudrücken. Ein Beispiel, dem seither jede Generation folgt. Selbst die Jugend von heute kennt ihn und auch diejenigen, die an dem King nicht so richtig viel finden können oder wollen, kommen kaum an ihm vorbei: die Werbebranche benutzt seine Person für ihre Zwecke, im TV sind Dokumentationen über sein Leben und seine Musik zu sehen, der Handel mit „Best of…“-CDs blüht und seine Musik findet immer wieder Imitatoren und wird ständig von Künstlern gecovert. Seine wegweisende Vorgehensweise gibt den Musikern von Heute die Möglichkeit, ihre künstlerische Freiheit in vollen Zügen zu genießen. Elvis Presley – er ist präsent wie eh und je. In den 1950er Jahren machten sich viele Talente auf den Weg in die Studios, um gemeinsam mit ihren Produzenten und „Entdeckern“ etwas Neues in die Welt zu senden, doch erst Elvis Aron Presley war in der Lage, seinen Stil, seine Intuition, von einer Minderheiten- zur Massenkultur umzuwandeln.  Hinzu kam die noch nie da gewesene Kombination aus „schwarz“ klingender Stimme und weißer Hautfarbe sowie einem vielfältigen und stets sicher den Massenmarkt treffenden Repertoire. Elvis war …der einstige Lastwagenfahrer mit den knallengen Hosen, der schwarzen „Schmalzlocke“ (welche von Natur aus blond war) und den langen Koteletten, der über Nacht zum internationalen Star wurde und dessen Geld in buchstäblichen Strömen Tag für Tag auf sein Konto floss. Elvis war …der hüftschwingende Traum aller Frauen, der seinen Erfolg genoss und mehr davon haben wollte, so, wie ihn jeder haben wollte. Elvis war …eine Persönlichkeit, über die man nicht voreilig urteilen kann. Sein Leben zeigt vor allem mit erhobenem Zeigefinger beide Seiten des Erfolges. Das Leben als bekannte Persönlichkeit trägt nicht nur süße, sondern auch faule Früchte. Glanz und Glamour sind das eine, der Besitz von Ruhm und Geld, ohne Liebe und Gesundheit, in Einsamkeit und tiefen Depressionen sind das andere. Hochmut kommt meist vor dem Fall; unverdauter Ruhm kann einen Menschen regelrecht vernichten und das war Elvis: ein ganz normaler Mensch, wenn auch mit einmaligem Talent!

 

 

 

Quelle: Wikipedia

2 comments

  • Meine Eltern waren in NY auf seinem Konzert, die erzählen mir immer noch was das für ein unglaubliches Gefühl war. Ich glaube ich war 8 damals als uns unser Papi den ersten Walkmann gekauft hat, er wuste damals nicht was für Musik wir mögen, und hat uns eine Golden Colection von Elvis gekauft, das sollte eine Überraschung sein. Ich dachte “ wer ist den das?“. Seit diesen Urlaub 1994. bin ich ein Riesen Fan von Elvis.

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  • Immer wenn es mir nicht gut geht, schiebe ich eine CD von Elvis rein. Sein Rythmus, die Schwingung seiner Stimme richtet mich immer wieder auf. Elvis ist eine Religion für sich selber. Die Musik ist die Architektur des Himmels und der Himmel wird aus Tönen gemacht.

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